Nagelsmanns Rücktritt und die Suche nach einem Nachfolger
Julian Nagelsmann ist nicht länger Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte die Auflösung seines Vertrages nach dem frühen Ausscheiden des Teams bei der Weltmeisterschaft. Nagelsmann hatte am Donnerstag um die Vertragsauflösung gebeten, einem Wunsch, dem der DFB nachkam. Gleichzeitig signalisierte der DFB, dass er Gespräche mit Jürgen Klopp über die Übernahme des Traineramtes führen wird, da Klopp bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert hat.
Nagelsmanns Vertrag wäre ursprünglich bis zur Europameisterschaft 2028 gültig gewesen. Das vorzeitige WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen führte zu erheblichem medialen Druck. Obwohl Nagelsmann unmittelbar nach dem Ausscheiden einen Rücktritt noch ausgeschlossen hatte, da er sich nicht als jemand sah, der wegläuft, änderte sich seine Position in den folgenden Tagen.
Die Trennung von Nagelsmann und die mögliche Verpflichtung von Klopp könnten für den DFB mit erheblichen Kosten verbunden sein. Berichten zufolge soll allein die Auflösung von Nagelsmanns Vertrag bis zu sieben Millionen Euro kosten. Klopps Jahresgehalt könnte sich in ähnlichen oder sogar höheren Dimensionen bewegen, zumal er derzeit als Head of Global Soccer für das Fußballimperium von Red Bull tätig ist und dort eine zweistellige Millionensumme verdienen soll.

Personalwechsel beim DFB
Neben dem Traineramt gibt es auch auf anderen Positionen beim DFB Veränderungen. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird den Verband ebenfalls verlassen. Rettig hatte intern angekündigt, seinen zum 31. Dezember 2026 auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht zu verlängern. Diese Entscheidung teilte er dem DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf bereits vor Beginn der laufenden Weltmeisterschaft mit.
Die DFB-Spitze, darunter Präsident Neuendorf, Geschäftsführer Rettig, Sportdirektor Rudi Völler und der erste Vizepräsident des DFB sowie Chef der Bundesliga, Hans-Joachim Watzke, traf sich am Donnerstag zu einer dreistündigen Aussprache mit Nagelsmann in der Frankfurter DFB-Zentrale. In diesem Gespräch musste Nagelsmann die Gründe für das frühe Scheitern bei der WM erläutern, einschließlich der Kaderzusammenstellung, seiner Personalentscheidungen während des Turniers und des täglichen Miteinanders im Basecamp des Teams.
Nach diesem Treffen soll die DFB-Spitze Nagelsmann nahegelegt haben, freiwillig von seinem Amt zurückzutreten. Nagelsmann bat um Bedenkzeit, bevor er seine Entscheidung am Freitag bekannt gab. Auch Nagelsmanns Assistenten, Benjamin Glück und Benjamin Hübner, werden den DFB verlassen.
Jürgen Klopp als Wunschkandidat
Jürgen Klopp, ehemaliger Trainer von Liverpool und langjähriger Trainer von Dortmund, arbeitet während der WM als Experte für den Bezahlsender Magenta TV. Dort hatte er sich zunächst zurückhaltend zu einer möglichen Übernahme des Bundestrainerpostens geäußert. Er betonte, dass dies nicht der richtige Moment sei, um darüber zu sprechen.
Klopp hat bei Red Bull noch einen bis 2029 gültigen Vertrag als „Head of Global Soccer“. Berichten zufolge beinhaltet sein Arbeitsvertrag keine schriftlich fixierte Ausstiegsklausel. Dies bedeutet, dass der DFB möglicherweise eine Ablösesumme an Red Bull zahlen müsste, um Klopp zu verpflichten. Eine solche Ablösezahlung für einen Bundestrainer wäre ein Novum in der Geschichte des DFB.
Der mächtige Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff, bekannt als knallharter Verhandler, hatte bereits 2021 eine Rekordablöse von 25 Millionen Euro für Nagelsmann beim Wechsel von RB Leipzig zum FC Bayern erzielt. Die Verhandlungen mit Red Bull könnten daher komplex werden. Es wird erwartet, dass der DFB für die Verpflichtung Klopps viel Geld aufbringen muss, auch wenn ab nächstem Jahr durch den neuen Ausrüster Nike, der jährlich rund 100 Millionen Euro zahlt, frisches Geld in die Verbandskasse fließt.
Sportschau-Experte Bastian Schweinsteiger äußerte bereits am Mittwochabend seine Überzeugung, dass Klopp der neue Bundestrainer werden könnte, und bezeichnete ein Duo aus Klopp und Völler als „Dream-Team“. Die DFB-Spitze wird nun Gespräche mit Jürgen Klopp aufnehmen.
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Source: zeit.de





