Kritik an der Aufhebung der Rotsperre
Die Entscheidung der FIFA, die Rotsperre des US-Stürmers Folarin Balogun aufzuheben, hat weitreichende Kritik hervorgerufen. Hans E. Lorenz, ein ehemaliger Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, bezeichnete die Aussetzung der Sperre als eine Handlung, die an Wettbewerbsmanipulation grenze. Er äußerte sich überrascht über die Abweichung von einer jahrzehntelangen Rechtsprechung der FIFA, wonach eine Rote Karte mindestens eine Spielsperre nach sich zieht. Lorenz betonte, dass die Möglichkeit, Strafen zur Bewährung auszusetzen, zwar grundsätzlich bestehe, eine Sperre für ein schweres Foul jedoch bereits außerordentlich milde gewesen sei. Die zusätzliche Aussetzung der Sperre sende ein „fatales Signal“ aus, da sich nun zahlreiche Verbände und Vereine darauf berufen und ähnliche Aussetzungen fordern könnten.
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf reagierte auf den Fall Balogun und forderte die FIFA auf, Berichte über ein angebliches Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino schnell aufzuklären. Neuendorf betonte, dass der Eindruck einer politischen Einflussnahme auf den Sport zügig und schlüssig ausgeräumt werden müsse, da es um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA gehe. Medienberichte, darunter von The Athletic und AP, hatten übereinstimmend gemeldet, dass Trump Infantino angerufen haben soll, um sich für eine Aussetzung der Rotsperre von Balogun einzusetzen.
Reaktionen aus der Fußballwelt
Die Entscheidung der FIFA stieß auch bei anderen Persönlichkeiten des Fußballs auf Unverständnis. Jürgen Klopp zeigte sich entsetzt über den Fall Balogun und merkte an, dass es keine zwei Meinungen gebe, wenn die Berichte über eine politische Einflussnahme zuträfen. Er wies darauf hin, dass die USA den Spieler trotzdem nicht hätten aufstellen müssen, wenn sie eine solche Vorgehensweise ablehnten. Klopp betonte, dass Fehlentscheidungen zum Sport gehörten und man lernen müsse, damit zu leben, die Aussetzung der Sperre sei jedoch eine Tatsachenentscheidung.

Der norwegische Nationaltrainer Ståle Solbakken sprach von einem „großen Fehler“ der FIFA, der dem Weltmeisterschaftsturnier schaden werde. Er äußerte Bedauern für die USA, da ein möglicher Sieg immer in der Schwebe hängen würde. Solbakken befürchtet zudem, dass die Entscheidung einen gefährlichen Präzedenzfall schafft und fragte, was bei zukünftigen Roten Karten geschehen werde und ob es künftig ein Gremium geben werde, das solche Karten einfach wieder aufhebt.
Die UEFA äußerte ebenfalls heftige Kritik an der FIFA. Sie erklärte, dass die Integrität des Spiels auf dem Spiel stehe und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs untergraben werde, wenn die Verlässlichkeit der Regeln von ihren Hütern nicht mehr garantiert werde. Die UEFA wies darauf hin, dass eine solche Entscheidung einen Präzedenzfall in einem laufenden Turnier schaffe, in dem nun vergleichbare Fälle gleich behandelt werden müssten, was dem Wettbewerb schaden könnte.
Weitere Entwicklungen und Kritik
Der belgische Fußballverband hat nach eigenen Angaben noch keine vollständige Begründung für die Aufhebung von Baloguns Sperre sowie den entsprechenden Bericht der Schiedsrichterkommission von der FIFA erhalten, obwohl diese angefordert worden sei. Der Verband hatte angekündigt, sämtliche mögliche Optionen in dem Fall zu prüfen. Das Portal Politico berichtete zudem, dass auch die UEFA sich zu dem Fall äußern werde, möglicherweise in einer gemeinsamen Aktion mit mehreren nationalen Fußballverbänden aus Europa.
Auch der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter übte Kritik an der Entscheidung. Thomas Tuchel, Trainer der Three Lions, äußerte sich ebenfalls kritisch und fragte, wo die Grenze sei, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte mehr sei. Auf die Frage eines Journalisten, ob man vielleicht US-Präsident Donald Trump fragen sollte, antwortete Tuchel: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“
Folarin Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte erhalten, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners Tarik Muharemovic gelandet war.
Die FIFA hob die Rotsperre von US-Torjäger Balogun auf, wodurch der 25-Jährige für das WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle spielberechtigt war.
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Source: sportschau.de




