Agit Kabayel wird WBC-Weltmeister
Deutschland hat nach fast einem Jahrhundert wieder einen Schwergewichts-Weltmeister im Boxen. Der Weltverband WBC hat am Samstag Agit Kabayel zum neuen Schwergewichts-Weltmeister ernannt. Diese Entscheidung erfolgte rund 24 Stunden nach der überraschenden Titelniederlegung durch Oleksandr Usyk.
Für den 33-Jährigen Kabayel, der aus Bochum stammt, erfüllt sich damit ein lang gehegter Traum. Er ist der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling, der seinen WM-Titel im Jahr 1930 erlangt hatte. Schmeling gewann den Titel zuletzt 1932, als er die Box-Ikone Joe Louis besiegte. Selbst bekannte deutsche Box-Legenden wie Axel Schulz erreichten diesen historischen Erfolg nie.
Kabayel drückte seine Freude und seinen Stolz über diesen Erfolg in den sozialen Netzwerken aus. Auf Instagram schrieb er: „Unglaublich. Seit heute bin ich WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Der erste kurdische Weltmeister im Schwergewicht der Geschichte und der erste deutsche Weltmeister im Schwergewicht seit fast 100 Jahren. Worte können nicht beschreiben, was ich gerade empfinde.“ Er bedankte sich zudem bei allen Unterstützern und betonte, dass dieser Erfolg allen gehöre.

Usyks Rücktritt ermöglicht Titelgewinn
Die Ernennung Kabayels zum Weltmeister wurde durch die Entscheidung von Oleksandr Usyk ermöglicht, seine Titel niederzulegen. Usyk, der als ungeschlagener Profiboxer alle seine 25 Profikämpfe gewonnen hat, verkündete am Freitagabend in einem Video seinen sofortigen Rücktritt als Weltmeister. Er erklärte, er wolle alle seine Titel abgeben, damit die nächsten in der Rangliste um sie kämpfen könnten, betonte aber, den Sport nicht vollständig zu verlassen, da er noch einen „letzten Auftritt“ vor sich habe.
Mit dem Verzicht des 39-Jährigen Usyk wurden die großen Schwergewichts-Gürtel der Verbände WBA, IBF und WBC neu verteilt. Dies eröffnete Deutschland die Möglichkeit, wieder einen Weltmeister in dieser Königsklasse des Boxens zu haben. Agit Kabayel war zuletzt Interimsweltmeister und rückt nun nach.
Kabayel hatte zuvor vermehrt versucht, einen Titelkampf mit Usyk zu arrangieren und ihn immer wieder zu einem Kampf aufgefordert. Er wäre eigentlich der nächste Gegner für eine Pflichtverteidigung des Ukrainers gewesen. Trotz des Titelsiegs bedauerte Kabayel, dass es nicht zu einem Kampf im Ring mit Usyk kam. Er räumte eine gewisse Enttäuschung ein, da es keine großen Börsen oder Sponsoren gab, die einen solchen Kampf hätten finanzieren wollen.
Kabayels Karriere und zukünftige Herausforderungen
Für Agit Kabayel stellt dieser Titel den größten Erfolg seiner Karriere dar. Er ist in seiner bisherigen Laufbahn noch ungeschlagen und weist eine Bilanz von 27 Siegen in 27 Kämpfen auf, wobei ihm 19 davon durch K.o. gelangen. Kabayel, der wegen seines auf Körperattacken ausgelegten Stils den Spitznamen „Leberking“ trägt, hofft, dass Deutschland sich über seinen Erfolg freut und in ihm einen würdigen Nachfolger von Max Schmeling sieht.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Schwergewichts-Weltmeister seinen Titel nicht im Ring errang. Auch Boxlegenden wie Ken Norton im Jahr 1978 und Lennox Lewis im Jahr 1992 erhielten ihre Weltmeister-Lorbeeren auf ähnliche Weise. Norton wurde Weltmeister, weil Muhammad Ali nicht ein viertes Mal gegen ihn antrat, und Lewis, weil Champion Riddick Bowe den WBC-Gürtel ablehnte und ein Duell mit seinem Pflichtherausforderer verweigerte.
Was als Nächstes kommt, ist noch nicht vollständig geklärt, doch es wird davon ausgegangen, dass Kabayel zeitnah zu seiner ersten Titelverteidigung antreten muss. Mögliche Herausforderer könnten dann Namen wie Tyson Fury, Lawrence Okolie und Moses Itauma sein, die in der Weltrangliste weit vorn stehen. Kabayel hat bereits angekündigt, alles tun zu wollen, um diesen Gürtel lange zu behalten und seine Sammlung um weitere Titel zu ergänzen.
Die Nachricht über Usyks Titelverzicht und die damit verbundene Chance für Kabayel wurde am 27.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Read Also
Source: bild.de





