Start / Sport / Tadej Pogacar erobert Gelbes Trikot nach Solo am Tourmalet

Tadej Pogacar erobert Gelbes Trikot nach Solo am Tourmalet

Tour de France schon nach Etappe 6 entschieden – Pogacars Solo am Tourmalet

Die Tour de France 2026 erlebte auf ihrer sechsten Etappe eine frühe Vorentscheidung. Topfavorit Tadej Pogacar setzte sich auf der Bergetappe mit über 4000 Höhenmetern eindrucksvoll durch und eroberte das Gelbe Trikot zurück. Der slowenische Fahrer zeigte eine dominante Leistung und distanzierte seine Konkurrenten deutlich.

Pogacar, der bereits einen Rückstand von fast acht Minuten auf den damaligen Spitzenreiter Torstein Traeen hatte, überquerte den ikonischen Col du Tourmalet souverän. Nach 186,2 Kilometern zwischen Pau und Gavarnie-Gédre siegte er mit einem Vorsprung von mehr als 2:30 Minuten vor seinem Rivalen Jonas Vingegaard und Teamkollege Isaac del Toro. Der deutsche Profi Florian Lipowitz belegte den sechsten Platz der Tageswertung.

Pogacars beeindruckende Leistung

Nach dem Rennen äußerte sich Pogacar begeistert über seinen Erfolg. Er beschrieb den Sieg als einen der süßesten und zählte ihn zu seinen Top-Fünf-Auftritten bei der Frankreich-Rundfahrt. Er erinnerte sich dabei an einen Handbruch am Tourmalet und hatte einige „Flashbacks“, betonte jedoch, dass es ihm nicht um Sekunden ging, sondern darum, voll durchzufahren.

Pogacar, der 27 Jahre alt ist, startete seine entscheidende Attacke etwa 45 Kilometer vor dem Ziel am Tourmalet. Mit einer explosiven Beschleunigung und einer langen Solofahrt distanzierte er alle direkten Konkurrenten. Dies war sein 23. Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt. Florian Lipowitz erkannte die Leistung Pogacars an und kommentierte, dass man bei dieser Performance nicht viel machen könne und das Team nun um Platz drei fahren müsse.

UAE Team Emirates - XRG's Slovenian rider Tadej Pogacar cycles in the descent of the Col de Tourmalet during the 6th stage of the 113th edition of the Tour de France cycling race, 186,2 km between Pau and Gavarnie-Gèdre in the French Pyrenees, on July 9, 2026. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)
Allein über die Berge: Tadej PogacarQuelle:AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT Credit: welt.de

Der zuvor in Gelb fahrende Torstein Traeen konnte am Tourmalet nicht mithalten. Zusätzlich stürzte der Norweger bei der Abfahrt vom Berg und musste behandelt werden, konnte die Etappe aber fortsetzen. In der Gesamtwertung führt Pogacar nun mit 2:42 Minuten Vorsprung vor Jonas Vingegaard. Isaac del Toro liegt auf dem dritten Rang mit einem Abstand von 3:27 Minuten zu Pogacar. Florian Lipowitz verbesserte sich vom elften auf den siebten Rang, vier Minuten hinter Pogacar.

Während der Etappe verfolgte der französische Präsident Emmanuel Macron einen Teil des Rennens. Pogacar demoralisierte die Konkurrenz, als immer mehr Verfolger zurückfielen. Schon früh im Anstieg zum Tourmalet verlor der Gelb-Träger Traeen den Anschluss. Fünf Kilometer vor dem Gipfel des Tour-Giganten attackierte Pogacar, flankiert von Tausenden Fans, und ließ seine direkten Konkurrenten, darunter Vingegaard und Lipowitz, hinter sich.

Besonders in der Abfahrt vom Tourmalet konnte Vingegaard nicht folgen, und der Abstand vergrößerte sich stetig. Remco Evenepoel, Lipowitz‘ Teamkollege, fiel ebenfalls am gefürchteten Berg zurück, schloss aber später wieder auf. Die Gemeinde Gavarnie-Gédre erlebte zum ersten Mal eine Etappe der Tour in ihrer Heimat, mit einem beeindruckenden Bergpanorama, Wasserfällen und Serpentinenstraßen. Die Profis standen vor anspruchsvollen Herausforderungen wie dem Col d’Aspin auf 1489 Metern und dem Pyrenäen-Giganten Tourmalet, einem Anstieg der höchsten Kategorie mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,3 Prozent über 17,1 Kilometer.

Auswirkungen auf die Gesamtwertung und weitere Etappen

Experten spekulierten bereits vor der Etappe, wie Pogacar seinen Rückstand auf Traeen verkürzen würde. Am Col d’Aspin wurde deutlich, dass Pogacars Team den Tagessieg anstrebte. Am Vortag war Pogacars Rivale Vingegaard in einen Sturz verwickelt, konnte aber ohne Zeitverlust das Ziel erreichen. Die Profis zeigten trotz der Gebirgsetappe eine hohe Geschwindigkeit; vor dem zweiten kategorisierten Anstieg betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit etwa 48 Kilometer pro Stunde.

Pogacars Teamchef Mauro Gianetti äußerte sich vorsichtig bezüglich einer frühzeitigen Entscheidung der Tour, betonte aber die beeindruckende Show seines Fahrers. Auch Pogacar selbst wollte sich nicht zu früh festlegen und sprach von vollem Risiko, ohne über Zeitabstände nachzudenken. Er habe nicht erwartet, das Gelbe Trikot bereits an diesem Tag zu übernehmen.

Der geschlagene Vingegaard wollte die Tour ebenfalls noch nicht abschreiben. Er sah das Problem eher in der Abfahrt als im Anstieg des Tourmalet. Während er den Rückstand auf Pogacar bis La Mongie bei zehn Sekunden und bis zur Bergwertung bei 30 Sekunden halten konnte, vergrößerte sich die Lücke erst richtig auf der 20 Kilometer langen Abfahrt nach Luz-Saint-Sauveur. Vingegaard glaubt, dass seine Beine im Laufe des Rennens besser werden, und betonte, dass der Kampf noch nicht vorbei sei.

Für Torstein Traeen endete die wundersame Reise im Gelben Trikot frühzeitig. Er galt als Klassementfahrer und gut in den Bergen, doch die erste harte Bewährungsprobe überstand er nicht. 20 Kilometer vor dem Ziel stürzte Traeen auf der Abfahrt vom Tourmalet, nachdem er seinem Teamkollegen Anders Johannessen ins Hinterrad gefahren war. Nach einer Behandlungspause von vier Minuten konnte er weiterfahren, verlor aber insgesamt 30 Minuten. Die Diagnose am Abend ergab mehrere Rippenbrüche und eine Gehirnerschütterung, was das Aus für ihn bei der Tour bedeutet.

Am Freitag steht für die Tour-Profis wieder eine Etappe für die Sprinter auf dem Programm. Das Fahrerfeld fährt von Hagetmau über 175,1 Kilometer auf einer flachen Strecke in die Weinmetropole Bordeaux. Dabei werden wieder extreme Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet.

Read Also

Source: welt.de