Nächtliche Dopingkontrollen bei der Tour de France haben eine breite Diskussion innerhalb des Pelotons ausgelöst. Insbesondere die Tests bei Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar in der Nacht vor der 15. Etappe stehen im Mittelpunkt der Kritik. Diese Kontrollen, die zwischen 6:00 Uhr und 23:00 Uhr stattfinden sollten, sind seit 2016 zwar auch nachts möglich, unterliegen jedoch strengeren Richtlinien. Ein Richter in Paris genehmigte die umstrittenen Kontrollen, wie die französische Sportzeitung L’Equipe berichtete. Die Anfrage kam von der International Testing Agency (ITA), und es handelt sich um die erste Anwendung der 2015 in französisches Recht eingeführten Bestimmungen.
Die Kritik an den nächtlichen Tests wird von verschiedenen Seiten geäußert. Lance Armstrong, der ehemalige Radsportler, der in der Vergangenheit selbst des Dopings überführt wurde, äußerte sich in seinem Podcast „The Move“ schockiert. Er bezeichnete Kontrollen um zwei Uhr morgens als „Verletzung der Menschenrechte“ und zeigte sich sprachlos. Armstrong betonte jedoch, dass er die Sinnhaftigkeit von Dopingkontrollen generell nicht infrage stelle, sondern lediglich den Zeitpunkt. Er argumentierte, dass solche Tests vor Beginn der Tour abgeschlossen sein sollten und nicht mitten in der Nacht, da Schlaf für die Regeneration unerlässlich sei, besonders während einer der härtesten Sportveranstaltungen der Welt.
Auch Remco Evenepoel, der spätere Etappensieger, äußerte sich kritisch zu den nächtlichen Kontrollen. Der belgische Superstar des deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe nannte die Vorgehensweise „unmenschlich“ und „respektlos“, insbesondere nach einer anstrengenden Etappe. Er betonte, dass solche Unterbrechungen mitten in der Nacht nicht akzeptabel seien. Es wurde klargestellt, dass es bei Vingegaard und Pogacar keinen Dopingverdacht gab; beide werden häufig getestet und fielen bisher nicht auf.
Die Diskussion erhielt zusätzliche Brisanz durch den schweren Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe, bei dem er sich das Schlüsselbein brach und die Tour aufgeben musste. Tadej Pogacar brachte die Dopingkontrollen in der Nacht mit Vingegaards Sturz in Verbindung. Er fragte sich, ob die Schlafstörung durch die Kontrollen zu einer geringeren Konzentration in der Abfahrt geführt haben könnte, was wiederum den Unfall begünstigt hätte. Vingegaard selbst wollte keinen direkten Zusammenhang herstellen, räumte aber ein, dass Unfälle im Rennen unvermeidlich seien.
Nach seinem Sturz wurde Jonas Vingegaard in Dänemark operiert und begann anschließend seine Rehabilitation im Familienkreis. Sein Sportlicher Leiter, Marc Reef vom Team Visma-Lease a Bike, berichtete, dass Vingegaard sehr enttäuscht war, die Tour auf diese Weise beenden zu müssen, da er sich an diesem Tag gut gefühlt und das Team das Rennen gut im Griff gehabt hatte. Der Verlust all dessen sei ein herber Schlag.
Die ITA verteidigte ihr Vorgehen und erklärte, dass ihr bewusst sei, dass nächtliche Kontrollen die Ruhe und Erholung der Radrennfahrer beeinträchtigen können. Die Agentur trage jedoch im Auftrag der UCI die Verantwortung, die Wirksamkeit des Anti-Doping-Programms und die Integrität der Radrennen zu gewährleisten. Ein ehemaliger Dopingsünder und heutiger Radsport-Manager, Jonathan Vaughters, unterstützte die nächtlichen Tests und schrieb auf dem Portal X, dass 2-Uhr-nachts-Tests eine der effektivsten Methoden seien, um das Mikrodosieren von Peptiden und Testosteron zu verhindern. Er fügte hinzu, dass, wenn die UCI im Jahr 2001 um 2 Uhr nachts Tests durchgeführt hätte, viele Athleten suspendiert worden wären und dem Sport 25 Jahre Drama erspart geblieben wären.
Die strengeren Richtlinien für nächtliche Dopingkontrollen erfordern, dass ein Richter das Vorliegen „schwerwiegender und übereinstimmender Verdachtsmomente“ prüft, wonach der betreffende Radrennfahrer gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen hat oder dies unmittelbar bevorsteht. Zudem muss der Richter feststellen, ob die „Gefahr eines Beweisverlusts“ besteht. Die Tests müssen eine Verhältnismäßigkeit zwischen dem Eingriff in die Rechte des Athleten und den Zielen des Anti-Doping-Kampfes gewährleisten.
Die Tatsache, dass der französische Jungstar Paul Seixas, der aktuell Vierter im Gesamtklassement ist, im Gegensatz zu Pogacar und Vingegaard nicht nachts kontrolliert wurde, sorgte ebenfalls für Diskussionsstoff. Am Montagabend wurden auch Remco Evenepoel, Florian Lipowitz und ihre Teamkollegen von den Dopingkontrolleuren besucht, allerdings nicht in der Nacht. Alle acht Fahrer wurden am Montagabend gegen 22:00 Uhr kontrolliert, wie ein Sprecher des Red Bull-Teams bestätigte. Ralph Denk, Teamchef von Red Bull, äußerte im ZDF, dass die schwarze Vergangenheit des Radsports solche Kontrollen notwendig mache, auch wenn sie die Regeneration beeinträchtigen. Er betonte, dass es dazu gehöre, um den Sport glaubhaft und sauber zu halten.

Die Kontrollen am Montagabend fanden statt, während die Rennfahrer teilweise bereits schliefen, und sie nahmen die Kontrollen mit. Jonas Vingegaard wurde nach seinem Sturz am Sonntag operiert.
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Source: sportbild.bild.de





