Die Finals 2026 in Hannover haben nach Angaben der Veranstalter und Sportler einen großen Erfolg erzielt. Mit 143 Entscheidungen begeisterte das Multisport-Event fast eine halbe Million Zuschauer vor Ort. Bereits im Jahr 2030 könnte eine Wiederholung der Veranstaltung in Hannover stattfinden.
Die Stadt und die Wettkampfstätten waren während der viertägigen Veranstaltung gut besucht. Insgesamt zählten die Organisatoren 480.000 Zuschauer. Mehr als die Hälfte dieser Besucher stammte nicht aus Hannover. Die Arenen mussten aufgrund von Überfüllung wiederholt geschlossen werden, da das Interesse die Erwartungen der Veranstalter übertraf. Hagen Boßdorf, Geschäftsführer der Finals GmbH, sprach von „Rekordwerten“ und zeigte sich erfreut über das große Interesse.
Das Zentrum der Spiele befand sich am Opernplatz, wo neben der Beachvolleyball-Arena mit 1.100 Plätzen auch die Stabhochsprunganlage und Kletterwände aufgebaut waren. Zeitweise verfolgten dort 8.000 bis 9.000 Menschen die Wettkämpfe, auch über große Videowände. Die Stimmung blieb auch bei den Wartenden gut, da die Veranstalter über soziale Medien und eine App informierten, wenn Wettkampfstätten nicht zugänglich waren. Laut Informationen vom Sonntagnachmittag musste der Sicherheitsdienst während der gesamten Finals nicht eingreifen. Von 120 Anfragen beim Sanitätsdienst führten nur drei zu Rettungswagen-Einsätzen, wovon einer einen verletzten Flag-Football-Spieler betraf.
Hannover als Sportstadt
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay äußerte sich erfreut über die „tollen Finals“ und bezeichnete sie als „großes Sommermärchen“ für die Stadt. Er betonte, dass die Spiele Hannover wieder auf die Sport-Landkarte gebracht hätten und die Stadt solche Veranstaltungen ausrichten könne. Onay dankte den Athleten, die die Stadt verzaubert hätten. Als Beispiel nannte er das Bogenschießen, bei dem so gejubelt wurde, wie es in Hannover sonst nur bei einem Tor von 96 der Fall sei. Eine Umfrage zeigte, dass 75 Prozent der Hannoveraner Stolz empfinden, dass die Stadt die Finals ausgerichtet hat.
Die Stadt Hannover plant, sich erneut für die Ausrichtung der Finals zu bewerben, möglicherweise für die Jahre 2030 oder 2031. Onay kündigte an, dass die Kalender geprüft würden, um passende Termine zu finden. Für 2030 hat sich bereits Dresden beworben, wo die Finals im Vorjahr stattfanden. Im Jahr 2027 ist Stuttgart Gastgeber der Veranstaltung. Die Kosten für die Ausrichtung der Finals beliefen sich auf rund 10 Millionen Euro, wobei der Anteil der Stadt bei 1,5 Millionen Euro lag. Onay bezeichnete dies als „echtes Schnäppchen“ angesichts des Werbewerts durch die Live-Übertragungen.
Neue Formate und Sportstars
Die Finals boten eine Rekordzahl von 24 Sportarten und präsentierten neue Formate, die sowohl Athleten als auch Fans begeisterten. Dazu gehörte der neue Vier-gegen-Vier-Modus im Beachvolleyball, der für zusätzliche Spannung sorgte. Die Beachvolleyballer Lukas Pfretzschner, Paul Henning, Niklas Held und Luis Kubo genossen das neue Format. Pfretzschner betonte, es sei eine schöne Abwechslung gewesen und habe viel Spaß gemacht.
Auch im Rudern und Kanu wurden verkürzte Strecken auf dem Maschsee angeboten, die den Zuschauern Sport zum Anfassen ermöglichten. Ruderwettbewerbe am Westufer führten die Achter nur wenige Meter an den Zuschauern vorbei. Bei den Kanuten, die im Parallelsprint direkt vor der Promenade des Maschseefestes fuhren, herrschte ebenfalls eine besondere Atmosphäre. Die Kanutin Frauke Hundeling hielt nach dem Wettkampf ein Plakat hoch, um Hannover zu danken. Paulina Paszek, ebenfalls aus Hannover, beschrieb die Stimmung als einzigartig und sagte, sie habe Gänsehaut gehabt.
Die neuen Schwimmwettbewerbe, insbesondere die Sprint-Eliminationsrennen, waren gewöhnungsbedürftig, begeisterten aber die Zuschauer. Finalssiegerin Lise Seidel berichtete nach dreimal 50 Meter Rücken innerhalb kürzester Zeit von schweren Beinen. Schwieriger zu verfolgen waren die Lagenmeisterschaften über 100 und 200 Meter sowie 400 und 800 Meter, bei denen die Zeiten in Punkte umgerechnet und addiert wurden.
Unter den Zuschauern war auch DOSB-Präsident Thomas Weikert, der die Veranstaltung als „super“ bezeichnete und Parallelen zu Olympischen und Paralympischen Spielen zog. Er lobte die vollen Stadien und Straßen und betonte die positive Wirkung des Sports. Weikert sprach sich für eine erneute Bewerbung Deutschlands für Großveranstaltungen aus, um den Sport im Land zu fördern und die Infrastruktur zu verbessern. Er hofft, dass Deutschland bis 2032 in Brisbane oder später wieder unter die Top Fünf der Welt zurückkehren kann.
Sportliche Erfolge und Premieren
Die Finals boten auch zahlreiche sportliche Höhepunkte. Der 35-jährige Hannoveraner Andreas Toba gewann erneut eine Medaille im Turnen. Nach Bronze im Mehrkampf am Freitag holte er am Reck seine zweite Medaille, ebenfalls Bronze. Toba, der seine internationale Karriere bereits im letzten Jahr beendet hat und als Nachwuchstrainer arbeitet, wollte sich die Deutschen Meisterschaften in seiner Heimatstadt nicht entgehen lassen. Er sagte nach dem Wettkampf: „Ich habe für mich alles erreicht, was ich erreichen konnte.“
Ein weiterer Erfolg für Niedersachsen war der Gewinn der Goldmedaille im Sprung durch den Turner Marcel Graf aus Rinteln. Glen Trebing aus Hannover sicherte sich ebenfalls Bronze am Barren. Dank dieser Medaillen verbesserte sich Niedersachsen in der Länderwertung auf Platz 7. Diese Wertung ermittelt das erfolgreichste Bundesland, wobei die Vereinszugehörigkeit der Athleten entscheidend ist.
Viele Sportarten feierten in diesem Jahr ihre Premiere bei den Finals, darunter das Gewichtheben. Der Mannschaftswettbewerb, bei dem die neun stärksten Teams der „German Weightlifting Bundesliga“ antraten, konnte dank vieler ehrenamtlicher Helfer stattfinden, die bis in die Nacht die Wettkampfbühne aufbauten. Auch Breaking, Rapid Surfen und Speedklettern erfreuten sich großer Beliebtheit. Das Neue Rathaus war aufgrund des Andrangs beim Breaking komplett ausgelastet. Beim Rapid Surfen an der Leinewelle war das Gelände ebenfalls ausgelastet. Allerdings musste das Speedklettern am Opernplatz aufgrund von Regen unterbrochen werden, konnte aber später fortgesetzt werden.
Am Freitag hatte das Präsidium des DOSB in Hannover getagt und die Wettkampfstätten besichtigt. Mareike Miller, Gesamt-Athletensprecherin des Deutschen Behinderten-Sportverbandes und Mitglied des DOSB-Präsidiums, wünschte sich jedoch mehr Para-Sportarten bei zukünftigen Veranstaltungen.
Kurz vor Beginn der Turnwettkämpfe gab es eine Gedenkminute für die Opfer eines mutmaßlichen Anschlags auf den Christopher Street Day in Berlin. Das Publikum stand auf und applaudierte, während auf einem Videowürfel die Botschaft „Loud and proud – für Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte“ angezeigt wurde.
Der NDR war ebenfalls mit einem umfangreichen Rahmenprogramm bei den Finals 2026 vertreten. Am „Geibeltreff“ am Maschsee konnten Besucher miterleben, wie Sendungen wie „NDR 1 Niedersachsen Sport-Stars am Sonntag XXL“ und „Sport aktuell“ entstanden. Zudem gab es eine Bühne mit Live-Talks und dem „Roten Sofa“.
Source: sportschau.de





