Infantino äußert sich zu Investorenplänen
Fifa-Präsident Gianni Infantino hat sich erstmals öffentlich zu den geplanten Investitionen in die kommerziellen Rechte der Fußball-Weltmeisterschaft geäußert. In einem von dem Weltverband am Mittwochabend veröffentlichten Video bezeichnete der Schweizer die FIFA Forward Enterprise (FFE) als einen Vorschlag und ein Angebot, das Teil eines demokratischen Konsultationsprozesses sei. Er betonte, es handele sich um eine Chance und keine Verpflichtung.
Der Plan sieht vor, einen Teil der kommerziellen Rechte an einen Investor zu verkaufen, um Einnahmen von über vier Milliarden US-Dollar zu generieren. Ein neu zu gründendes Fifa-Tochterunternehmen namens FIFA Forward Enterprise, unter der Leitung von Infantino, soll alle kommerziellen Rechte und die Turnierorganisation bündeln. Investoren könnten demnach 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben, während die Fifa einen Mehrheitsanteil von über 50 Prozent behalten würde. Rund 20 Prozent der Anteile sollen an die 211 Mitgliedsverbände verteilt werden.
Die Uefa unter Präsident Aleksander Ceferin hat sich kritisch zu Infantinos Plänen geäußert. Der Fifa-Präsident bekräftigte jedoch, dass der Plan nur ein Vorschlag sei und nur dann umgesetzt werde, wenn er von der Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände und dem FIFA-Rat angenommen wird. Die Entscheidung liege somit allein bei den Mitgliedsverbänden.
Kritik und mögliche Anreize
Medienberichten zufolge hat Infantino den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Im Falle einer Zustimmung verspricht Infantino eine Sonderzahlung. In einem Schreiben wird ein 10-Milliarden-Dollar-Paket ab dem 1. Januar 2027 in Aussicht gestellt, sollte dieser Fortschritt gewünscht werden. Alternativ stünde die geplante Erweiterung des Forward-Programms um 2,7 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, falls der Vorschlag abgelehnt wird.
Infantino erklärte, dass der wachsende wirtschaftliche Wert des Fußballs bisher nur zu einem geringen Teil dort ankomme, wo er am dringendsten benötigt werde. Er betonte die Notwendigkeit zusätzlichen Fachwissens und neuer Perspektiven, um das Potenzial auszuschöpfen. Er versicherte, dass die Fans das Herzstück des Spiels blieben und der Sport, den sie lieben, sich nicht verändern werde. Die Fifa werde den Fußball weiterhin ohne externe Einflussnahme führen und wichtige Wettbewerbe wie die Fifa Fußball-Weltmeisterschaft und die Fifa Frauen-Weltmeisterschaft würden bestehen bleiben.
Die Uefa reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne und sprach davon, dass eine Grenze überschritten werde, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften. In einer Erklärung hieß es, die Seele und Führung des Fußballs seien keine Handelsware. Die Uefa nehme die Angelegenheit sehr ernst und plane eine Dringlichkeitssitzung, um über weitere Reaktionen zu beraten. Dabei soll auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft diskutiert werden.
Der neue britische Premierminister Andy Burnham kritisierte die Pläne ebenfalls und betonte, dass der Fußball den Menschen gehöre, die die Tribünen füllen. Er sagte, die WM sei kein Produkt, das verkauft werden könne, sondern der großartigste Wettbewerb der Welt. Auch Sepp Blatter äußerte sich kritisch zu Infantino und dessen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump.
Struktur und Kontrolle der FFE
Nach Angaben der Fifa sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an der neu zu gründenden Tochtergesellschaft FFE erwerben können. Der Wert der FFE wird zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt. In der FFE sollen die kommerziellen Rechte an Fifa-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt werden. Die Fifa würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks behalten.
Alle 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die entweder behalten oder verkauft werden könnten. Die Fifa plant, innerhalb der kommenden vier Jahre mit Hilfe der zusätzlichen Einnahmen zehn Milliarden Dollar in die weltweite Entwicklung des Fußballs zu investieren. Infantino erklärte, es gehe darum, massiv in auch die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt zu investieren, die oft übersehen würden. Er sprach von der „Demokratisierung des Fußballs weltweit“.
Ein Sprecher des Fußball-Weltverbands bestätigte, dass ein Vorschlag, der derzeit geprüft wird, den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat vorgelegt werde, da diese die Entscheidungsträger in dieser Angelegenheit seien. Berichten zufolge sollen auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Donald Trump in die Pläne einbezogen worden sein. Der Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, soll Gespräche führen, um den Einstieg über seinen Fonds Thrive Eternal anzuführen. Ein Fifa-Sprecher bestätigte, dass Thrive voraussichtlich die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen wird. Die Fifa arbeitet bei ihren Plänen mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.
Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte Infantino nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als Fifa-Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ein Fifa-Sprecher erklärte, dass dies noch nicht besprochen wurde, aber der Fifa-Präsident und die Fifa-Verwaltung müssten führende Rollen in dieser Einrichtung einnehmen, um die Kontrolle über jede Tochtergesellschaft gemäß den Statuten des Weltverbandes zu behalten. Ähnliche Pläne hatte Infantino bereits im Jahr 2018 verfolgt, die jedoch keine ausreichende Unterstützung innerhalb der Fifa fanden.

Die Uefa und andere Kritiker stehen vor der Herausforderung, Infantinos Pläne zu stoppen. Ein Boykott der Weltmeisterschaft durch europäische Verbände könnte eine Option sein, da Uefa-Teams einen erheblichen Wert für das Turnier darstellen. Ohne die Teilnahme von Ländern wie Spanien, Frankreich, England, Portugal, die Niederlande und Deutschland würde der Wert der WM erheblich sinken. Die Entscheidung über die Annahme des Vorschlags liegt letztlich bei den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat.
Source: bild.de





