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Fifa leitet Disziplinarverfahren gegen Argentinien wegen Falklandinseln-Banner und Tumulten ein

Fußball-WM: Fifa ermittelt wegen Falklandinseln-Banner gegen Argentinien

Der Weltfußballverband Fifa hat ein Disziplinarverfahren gegen den argentinischen Fußballverband (AFA) sowie mehrere Spieler eingeleitet. Die Ermittlungen betreffen mutmaßliche Regelverstöße, die während der jüngsten Weltmeisterschaft aufgetreten sein sollen. Ein zentraler Punkt der Untersuchung ist ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“), das argentinische Spieler nach dem 2:1-Halbfinalsieg gegen England in Atlanta gezeigt hatten.

Die Regierung der Falklandinseln hatte die Fifa nach dem Halbfinale zum Handeln aufgefordert. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Fifa ihr Versprechen einlöse, Politik aus dem Sport herauszuhalten und entsprechend ihrer Regeln gegen solches Verhalten vorgehe. Auch die britische Regierung hatte zuvor eine Untersuchung durch den Weltverband gefordert. Die Fifa betrachtet die Nutzung einer Sportveranstaltung für nicht-sportliche Demonstrationen als möglichen Verstoß gegen ihre Disziplinarordnung.

Ermittlungen nach dem Finale

Neben dem Vorfall mit dem Banner konzentrieren sich die Ermittlungen auch auf die heftigen Auseinandersetzungen, die nach dem 1:0-Finalsieg Spaniens nach Verlängerung in East Rutherford stattfanden. Die Fifa hat Stellungnahmen von mehreren argentinischen Spielern angefordert, darunter von Leandro Paredes. Paredes soll nach Spielende in Rangeleien verwickelt gewesen sein, wobei er Spaniens Gavi am Trikot griff, ihn im Gesicht traf und zu Boden stieß. Zuvor soll er auch Eric García geschubst haben.

Die Fifa teilte mit, dass Gavi der einzige spanische Spieler sei, gegen den in diesem Zusammenhang ermittelt wird. Auf argentinischer Seite sind neben Paredes auch Nahuel Molina, Thiago Almada sowie Co-Trainer Roberto Ayala von den Ermittlungen betroffen. Molina soll den spanischen Kapitän Rodri mit der Faust gegen die Brust geschlagen haben.

Argentiniens Leandro Paredes (r.) geht Spaniens Gavi körperlich an
Argentiniens Leandro Paredes (r.) geht Spaniens Gavi körperlich an Credit: sportschau.de

Die Fifa hat in der Vergangenheit bereits gegen Argentinien wegen ähnlicher Vorfälle vorgegangen. Im Jahr 2014 wurde der Verband mit einer Geldstrafe von 20.000 Pfund (23.346 Euro) belegt, nachdem Spieler vor einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien ein ähnliches Transparent gezeigt hatten. Die unabhängige Disziplinarkommission der Fifa prüft derzeit die Spielberichte und wägt die relevanten Umstände ab, bevor sie über mögliche weitere Schritte entscheidet.

Weitere mutmaßliche Verstöße und Reaktionen

Zu den weiteren mutmaßlichen Verstößen, die Argentinien während der Weltmeisterschaft zur Last gelegt werden, zählen diskriminierende Gesänge und Gesten, verspätete Anpfiffe von Spielen, Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften sowie unangemessene Äußerungen von Mannschaften und Zuschauern. Zudem sollen bei mehreren Spielen während des Turniers Gegenstände von Fans auf das Spielfeld geworfen worden sein.

Die Regierung der Falklandinseln äußerte sich enttäuscht, aber nicht überrascht über das Verhalten des argentinischen Teams. Das Parlament der Inselgruppe im Südatlantik wandte sich in einem öffentlichen Brief an das Disziplinarkomitee der Fifa. Die Fifa fordert von allen Beteiligten Stellungnahmen zu den Gewalt-Vorfällen nach dem WM-Finale an.

Inmitten der Diskussionen äußerte sich auch der argentinische Innenverteidiger Lisandro Martínez zu den Vorwürfen. Im Gespräch mit der argentinischen Zeitung „Olé“ sprach der Profi von Manchester United von einer unfairen Behandlung seiner Mannschaft und bezeichnete den Hass als „völlig ungerechtfertigt“. Er verteidigte seine Teamkollegen gegen den Vorwurf, sich nach der 0:1-Niederlage respektlos gegenüber dem neuen Weltmeister verhalten zu haben.

Martínez erklärte, dass die Mannschaft sowohl den spanischen Spielern als auch dem Trainerteam gratuliert habe. Der Eindruck, Argentinien habe sich bewusst von der Siegerehrung abgewandt, sei entstanden, weil die Spieler zu ihren Fans geschaut hätten, um ihnen Respekt zu zollen. Die Fifa wird zu gegebener Zeit eine Entscheidung treffen.

Source: zeit.de