Berichte über WM-Finale 2030 und FIFA-Dementi
Berichte haben die Frage aufgeworfen, ob Gianni Infantino, der Präsident der FIFA, Marokko das Finale der Weltmeisterschaft 2030 angeboten hat. Laut „The Times“ und „Talksport“ sollen Gespräche über die Austragung des Endspiels in Casablanca stattgefunden haben. „The Times“ berief sich dabei auf eine ungenannte Quelle, während „Talksport“ angab, dass mehrere Quellen aus dem marokkanischen Fußballverband die Gespräche bestätigt hätten.
Die FIFA hat sich zu diesen Vorwürfen geäußert. Ein Sprecher des Weltverbandes erklärte gegenüber „Sky News“, dass es „falsch und irreführend“ sei zu behaupten, der FIFA-Präsident habe Zusagen bezüglich der Ausrichtung des Endspiels der FIFA-Weltmeisterschaft 2030 gemacht. Die Entscheidung über den Austragungsort des Finales werde von der FIFA zu gegebener Zeit getroffen.
Die Weltmeisterschaft 2030 wird vom 8. Juni bis zum 21. Juli 2030 erstmals auf drei Kontinenten ausgetragen. Sechs Länder – Uruguay, Paraguay, Argentinien, Spanien, Portugal und Marokko – sind als Gastgeber vorgesehen. Der Großteil der Spiele soll in Spanien, Portugal und Marokko stattfinden. Der Austragungsort des Finales ist derzeit noch offen. Madrid hatte sich mit dem Santiago Bernabéu gute Chancen ausgerechnet, während Marokko mit dem geplanten „Grand Stade Hassan II“ in der Nähe von Casablanca, das eine Kapazität für 115.000 Menschen haben soll, als Außenseiter galt.
Wachsende Kritik an Infantino und Forderungen nach Reformen
Der marokkanische Verbandspräsident Fouzi Lekjaa hat Infantino bereits öffentlich seine Unterstützung zugesichert. Dies geschah laut einer Erklärung vom 1. August, auch wenn man es für richtig halte, den Investorenplan aufzugeben.
Infantino steht derzeit unter wachsendem Druck. Er hatte Pläne zurückgezogen, einen Teil der kommerziellen Rechte der FIFA, beispielsweise an der Weltmeisterschaft, zu verkaufen, um Milliardensummen einzunehmen. Diese Pläne stießen auf massive Proteste. Seit 2016 ist Infantino an der Spitze des Weltverbandes, und seine Zukunft wird diskutiert.
Der frühere Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, sieht die FIFA in der größten Krise von Infantinos Amtszeit. Er fordert umfassende Reformen und kritisiert, dass Kontrollmechanismen innerhalb der FIFA weitgehend entmachtet worden seien. Eckert, ein ehemaliger Münchner Richter, äußerte im Interview mit BR24Sport, dass Infantino zunehmend „Eigeninteressen“ verfolge, ohne Entscheidungsgremien einzubeziehen.

Als Beispiel nannte Eckert offene Fragen bezüglich eines von der FIFA initiierten Friedenspreises, der 2025 erstmals an den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verliehen wurde. Laut Eckert sei bis heute unklar, wer die Initiative angestoßen, den Auftrag vergeben und die Finanzierung veranlasst habe. Solche Vorgänge müssten von einer unabhängigen Ethikkommission überprüft werden.
Eckert, der von 2012 bis 2017 die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission leitete, sieht in Infantinos Amtsantritt einen Wendepunkt. Er kritisiert, dass Infantino immer mehr Entscheidungsbefugnisse an sich gezogen habe, obwohl ursprünglich vorgesehen war, dass der Präsident den Verband repräsentiert und das operative Geschäft vom Generalsekretär geführt wird.
Die UEFA droht im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorendeal mit rechtlichen Schritten. Mehrere Verbände, darunter England, haben angekündigt, Gianni Infantino bei der Wahl im kommenden Jahr ihre Unterstützung zu entziehen. Infantino möchte sich am 18. März 2027 in Rabat auf dem 77. FIFA-Kongress ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen.
Forderungen nach unabhängigen Kontrollgremien und starkem Generalsekretär
Eckert bemängelt, dass unabhängige Kommissionen schrittweise geschwächt und Zuständigkeiten bei Ethikverfahren teilweise auf die Kontinentalverbände übertragen wurden, was die Unabhängigkeit der Verfahren gefährde. Für eine Erneuerung der FIFA sieht Eckert Chancen, vorausgesetzt, es gibt eine umfassende Aufarbeitung der aktuellen Vorgänge und eine Stärkung unabhängiger Institutionen.
Er fordert neben einer unabhängigen Ethikkommission auch eine funktionierende Compliance- und Finanzabteilung, die Mittelverwendung und Geldflüsse unabhängig überprüft. Sollten strafrechtlich relevante Verstöße vorliegen, müssten diese von den zuständigen Behörden untersucht werden.
Einem diskutierten Modell, bei dem die FIFA-Führung alle zwei Jahre zwischen den Kontinentalverbänden wechseln könnte, steht Eckert skeptisch gegenüber. Er befürchtet erhebliche Konfliktpotenziale zwischen den verschiedenen Konföderationen.
Stattdessen plädiert Eckert für eine klare Aufgabenverteilung mit einem starken, unabhängigen Generalsekretär, der die Geschäfte des Weltverbandes führt. Die Rolle des Präsidenten sollte sich seiner Ansicht nach wieder stärker auf die Repräsentation des Fußballs konzentrieren, ohne weitreichende operative Entscheidungsbefugnisse. Die FIFA steht laut Eckert an einem Wendepunkt, und die Umsetzung tiefgreifender Reformen hängt von der konsequenten Aufarbeitung der Vorwürfe und der Stärkung unabhängiger Kontrollmechanismen ab.
Source: bild.de





