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England scheidet im WM-Halbfinale aus: Kritik an Trainer Tuchel

Unglaublich, was bei England nach der 55. Minute gegen Argentinien geschah - BILD

Englands WM-Traum platzt nach Führung

Der Traum der englischen Nationalmannschaft vom WM-Titel ist nach einer 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen Argentinien geplatzt. Nach der Führung durch Anthony Gordon in der 55. Minute gab das Team das Spiel aus der Hand. Die Zahlen nach dem Führungstreffer zeigen, dass England nur noch zwölf Prozent Ballbesitz hatte und lediglich 18 Pässe in der gegnerischen Hälfte spielte, während Argentinien auf 193 Pässe kam.

Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel, zu der auch Harry Kane und Jude Bellingham gehören, konnte offensiv kaum noch Akzente setzen. Der Expected-Goals-Wert nach der Führung lag bei 0,09, und es gab nur zwei Ballkontakte im argentinischen Strafraum. Im Gegensatz dazu verzeichnete Argentinien mit Lionel Messi 18 Ballkontakte im englischen Sechzehner und einen Expected-Goals-Wert von 1,78.

Argentinien drehte die Partie in den Schlussminuten. Enzo Fernández erzielte in der 85. Minute den Ausgleich, bevor Lautaro Martínez in der Nachspielzeit nach einer Flanke von Messi den Siegtreffer zum 2:1 köpfte. Damit endete Englands Hoffnung auf den ersten WM-Sieg seit 1966.

Kritik an Tuchels taktischen Entscheidungen

Nach dem Ausscheiden hagelte es im Vereinigten Königreich harsche Kritik an Trainer Thomas Tuchel. Fans, ehemalige Nationalspieler und die Presse bemängelten seine Einwechslungen und die taktische Umstellung nach der Führung gegen Argentinien. Tuchel hatte auf den Kontrollverlust reagiert und drei Defensivspieler – Ezri Konsa, Nico O’Reilly und Dan Burn – eingewechselt, wodurch zeitweise sechs Verteidiger auf dem Platz standen.

Diese defensivere Ausrichtung wurde von vielen als „Feigheit“ kritisiert. Der ehemalige Nationalspieler Kyle Walker äußerte, er sehe keinen großen Unterschied zu der Zeit, als Gareth Southgate Trainer war. Chris Sutton bezeichnete Tuchels Coaching als „Katastrophe“ und warf ihm vor, zu defensiv agiert zu haben. Auch Joe Cole forderte die Entlassung des deutschen Trainers und sprach sich für einen englischen Nationaltrainer aus.

Prominente Stimmen wie Thomas Müller und Iker Casillas kritisierten ebenfalls die Spielweise Englands nach der Führung. Müller konnte nicht verstehen, wie sich England nach der Führung verhalten habe, und Casillas sprach von einem „feigen Ansatz“, da sich das Team zurückgezogen und Argentinien zu viele Räume gelassen habe. Der frühere Torjäger Wayne Rooney monierte, dass die Spielweise zu passiv gewesen sei und man damit gegen den Weltmeister nicht bestehen könne.

Tuchel selbst übernahm die Verantwortung für die Niederlage und erklärte seine Entscheidungen. Er betonte, dass die Einwechslungen von Verteidigern und die Umstellung auf eine Fünfer-Abwehrkette durchaus schlüssig gewesen seien, um Lufthoheit zu gewinnen und auf Umschaltmomente zu setzen. Er führte aus, dass das Scheitern dieser Strategie auch der enormen Qualität des Gegners geschuldet war.

Tuchels Zukunft als Nationaltrainer

Trotz der Kritik muss Thomas Tuchel wohl nicht um seinen Job bangen. Sein Vertrag als Nationaltrainer wurde erst im vergangenen Februar bis 2028 verlängert. Der Verband sieht laut Medienberichten keine Veranlassung, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Dies wurde auch durch eine Aussage von Geschäftsführer Mark Bullingham nach dem WM-Aus untermauert, der die Anstrengungen des Teams und des Trainerstabs lobte.

Tuchel selbst denkt nicht an einen Rücktritt und freut sich auf die Heim-EM, die 2028 in England, Nordirland, Irland, Schottland und Wales stattfinden wird. Er hob hervor, dass das Erreichen des Halbfinales bereits eine Leistung sei, da viele große Fußballnationen schon früher ausgeschieden seien. Prinz William, Schirmherr des englischen Fußballverbands, zeigte sich nach dem Ausscheiden „am Boden zerstört“ und würdigte den Einsatz der „Three Lions“, die seiner Meinung nach das kompletteste England-Team bei einem Turnier waren. Die englische Nationalmannschaft spielt am Samstagabend, 18. Juli, im Spiel um Platz drei gegen Frankreich.

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Source: bild.de