Nach dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien, das Argentinien mit 2:1 gewann, feierten die Spieler der Albiceleste ihren Sieg mit einem politischen Plakat. Auf dem Banner stand in Großbuchstaben „Las Malvinas son argentinas“, was übersetzt „Die Malwinen sind argentinisch“ bedeutet. Dieses Plakat wurde von Fans auf die Tribüne gebracht und nach dem Spiel an die Spieler überreicht.
Die Botschaft auf dem Plakat bezieht sich auf den Konflikt um die Falklandinseln, die in Argentinien als Islas Malvinas bekannt sind. Dieser Konflikt führte vor 44 Jahren zu einem 74-tägigen Krieg zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich, bei dem rund 1.000 Soldaten starben. Argentinien beansprucht die Inseln, die seit 1833 britisches Überseegebiet sind, bis heute für sich.
Politische Spannungen und FIFA-Regeln
Die Feierlichkeiten mit dem Plakat könnten für Argentinien Konsequenzen haben, da der Weltfußballverband FIFA politische Botschaften von Spielern und Offiziellen rund um WM-Spiele verbietet. In der Vergangenheit wurden ähnliche politische Provokationen bei Turnieren mit Geldstrafen geahndet. So erhielten beispielsweise die Schweizer Spieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri bei der WM 2018 Geldstrafen wegen einer als politisch interpretierten Geste.
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hatte vor dem Spiel betont, dass er das Thema Falklandinseln nicht mit der Mannschaft besprochen hatte, um die Situation nicht weiter anzuheizen. Auch Argentiniens Präsident Javier Milei äußerte sich nach dem Spiel versöhnlicher und sagte, dass „Fußball und der Falklandkonflikt nicht vermischt werden dürfen“.
Die Vizepräsidentin Victoria Villarruel hatte sich jedoch schon vor der Partie deutlich politisch geäußert und die Engländer als „usurpierende Piraten“ bezeichnet. Sie ist die Tochter eines Falklandkriegs-Veteranen und betonte, dass es bei dem Spiel um mehr gehe als nur um Fußball. Nach dem Sieg dankte sie den Torschützen und dem gesamten Team mit einem Soldaten-Video und bekräftigte ihre Haltung gegenüber England.
Die FIFA steht unter Beobachtung, wie sie auf die politische Botschaft reagieren wird, insbesondere da es in diesem Turnier bereits Diskussionen über eine vermeintliche Vorzugsbehandlung von Argentinien gab. Vorwürfe bezüglich Schiedsrichterentscheidungen und die Reaktion auf andere politische Botschaften, wie die Trikotänderung von Haiti, haben die Aufmerksamkeit auf die Entscheidungen des Weltverbandes gelenkt.
Mögliche Konsequenzen für Spieler und Verband
Dem südamerikanischen Verband drohen durch das Zeigen des Plakats massive Geldstrafen. Auch individuelle Sperren für das Finale sind möglich. Unter anderem die Spieler Giovani Lo Celso und Lisandro Martínez hielten das Banner in den Händen. Eine Sperre für Lisandro Martínez, der ein Stammspieler ist, könnte die Albiceleste empfindlich treffen. Lo Celso hingegen kam in diesem Turnier bisher nur in einem Vorrundenspiel zum Einsatz.

Ein Turnierausschluss, wie er von einer englischen Fan-Petition gefordert wird, gilt als unwahrscheinlich. Die FIFA stützt sich bei Sanktionen auf ihr Disziplinarreglement, das politische Äußerungen verbietet. Im Jahr 2014 musste der argentinische Verband bereits eine Strafe von 30.000 Schweizer Franken zahlen, weil Spieler bei einem Freundschaftsspiel ein ähnliches Banner gezeigt hatten.
Die Erinnerung an den Falklandkrieg ist in Argentinien bis heute tief verankert. Nationalspieler Leandro Paredes sagte, dass sie sich bewusst waren, was dieses Spiel für das Land bedeutete und versuchten, ihr Land und all jene zu repräsentieren, die diesen traurigen Moment der Geschichte miterlebt haben.
Die US-Behörden hatten das Halbfinale im Vorfeld als Hochrisikoereignis eingestuft und über 1.600 Einsatzkräfte rund um das Stadion eingesetzt, um möglichen Ausschreitungen oder politischen Provokationen vorzubeugen.
Die Falklandinseln werden seit 1833 von Argentinien als ihr Land angesehen, obwohl nie ein völkerrechtlicher Anspruch bestanden hat.
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Source: bild.de





