Nach der siebten Etappe der Tour de France kam es zu Unstimmigkeiten innerhalb des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe. Auslöser waren Äußerungen von Remco Evenepoel, der seinem Teamkollegen Florian Lipowitz mangelnde Unterstützung vorwarf. Diese Situation sorgte für Diskussionen und eine öffentliche Auseinandersetzung, die auch von der Teamleitung kommentiert wurde.
Rolf Aldag, der einige Jahre als sportlicher Leiter von Lipowitz fungierte, bezeichnete die Aussagen von Evenepoel als „unnötig, aber nicht dramatisch“. Er betonte, dass solche internen Angelegenheiten nicht in die Öffentlichkeit gehören. Die Äußerungen von Evenepoel folgten einer Pyrenäen-Etappe, bei der er um Unterstützung in der Abfahrt zum Zielsprint bat, um den dritten Platz in einer Verfolgergruppe hinter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard zu sichern.
Evenepoel war sichtlich verärgert, da Lipowitz seine Bitte ignorierte. Der Belgier verwies darauf, dass er bei der Katalonien-Rundfahrt bereits Helferdienste für den Deutschen erbracht hatte. Robert Bengsch kommentierte im Velo Club, dass Evenepoels Statement so klang, als sei es darauf vorbereitet worden, um nun sagen zu können: „Ich bin doch damals auch für dich gefahren.“ Bengsch merkte an, dass die Situation nicht vergleichbar sei, da es lediglich um den dritten Platz und nicht um einen Etappensieg ging. Er riet Evenepoel, in solchen Momenten cooler zu bleiben und sich danach nicht so vor die Kamera zu stellen.
Krisengespräch und glättende Worte
Ein angekündigtes Krisengespräch zwischen den beiden Fahrern fand statt. Lipowitz erklärte, dass sie im Bus miteinander gesprochen hätten und die Situation geklärt sei. Auch Teamchef Ralph Denk versuchte, die Wogen zu glätten. Er führte die Uneinigkeit auf eine mögliche Sprachbarriere und die Hitze des Gefechts nach einer langen Bergetappe zurück.
Evenepoel selbst schlug versöhnliche Töne an und erklärte, dass alles gesagt sei und die Vergangenheit der Vergangenheit angehöre. Er betonte, dass man nun nach vorne schauen müsse. Auch Lipowitz äußerte sich positiv zur Atmosphäre im Team nach der Auseinandersetzung und hob hervor, dass er mit der Performance zufrieden sei.
Trotz der Bemühungen, die Situation zu entschärfen, merkte Aldag an, dass der Schaden bereits angerichtet sei. Er befürchtet, dass Fans und Beobachter nun genau darauf achten werden, wer für wen fährt und wie die Fahrer positioniert werden. Aldag kritisierte die unnötigen Äußerungen von Evenepoel und stellte die Frage, ob die Presseabteilung solche Situationen nicht besser kontrollieren könnte, da Evenepoel als „tickende Zeitbombe“ bekannt sei.
Lipowitz, der von Aldag als jemand beschrieben wurde, der „gar nicht weiß, was Remco von ihm will“, wird sich laut Aldag von solchen „Spielchen“ nicht einschüchtern lassen. Die Frage, ob eine Doppelspitze im Team funktionieren kann, beantwortete Lipowitz mit „Definitiv!“. Er verwies darauf, dass die Tour noch lang sei und entscheidende Prüfungen wie die Etappen im Zentralmassiv, den Vogesen und den Alpen noch bevorstehen.
Ausblick auf die kommenden Etappen
In der Gesamtwertung liegen beide Fahrer dicht beieinander, was die Dynamik im Team weiter beeinflussen könnte. Die schweren Etappen, die noch ausstehen, dürften die Stärken von Lipowitz besonders zur Geltung bringen. Evenepoel betonte, dass jeder seine eigenen Stärken habe und diese ausspielen wolle. Er fügte hinzu, dass über alles gesprochen wurde und man nun nach vorne blicken müsse.
Die Sprintankunft in Bordeaux sah Tim Merlier als Sieger, während Max Kanter als Vierter erneut ein Spitzenergebnis einfuhr. Phil Bauhaus überzeugte mit Rang sechs. An der Spitze der Gesamtwertung verteidigte Tadej Pogačar seinen Vorsprung auf Jonas Vingegaard.
Evenepoel äußerte sich im Interview, dass er im Finale nicht komplett über sein Limit gehen wollte, da die Abfahrt technisch war und man noch frisch im Kopf sein musste. Er gab an, dass die Gruppe nicht perfekt zusammengearbeitet habe, sonst hätten sie Jonas Vingegaard noch einholen können. Er schloss mit der Aussage, dass das Team und er froh seien, wie sich der Tag entwickelt habe, obwohl der Mediensturm dies in Frage stellte. Lipowitz bleibt weiterhin in Schlagdistanz zum Podium.
Die Situation rund um die Äußerungen von Remco Evenepoel und die Reaktion von Florian Lipowitz sowie der Teamleitung zeigen die Herausforderungen im Teammanagement während einer großen Rundfahrt. Die kommenden Etappen der Tour de France werden zeigen, ob der Burgfrieden von Dauer ist und wie sich die Zusammenarbeit der beiden Fahrer entwickelt.
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Source: eurosport.de





