Die jüngste Weltmeisterschaft ist zu Ende gegangen und hinterlässt eine Reihe von Eindrücken und Diskussionen. Während die Veranstaltung mit einer Reihe von Premieren und Widersprüchen aufwartete, wurde sie auch von bemerkenswerten Leistungen und Fan-Momenten geprägt. Die Diskussionen reichen von der Größe des Turniers bis hin zu den politischen Implikationen, die es mit sich brachte.
Einige Spieler konnten sich während des Turniers besonders hervorheben. Johan Manzambi wurde als eines der aufregendsten Schweizer Offensivtalente seit Xherdan Shaqiri wahrgenommen. Die Frage, was mit ihm gegen Argentinien möglich gewesen wäre, bleibt bestehen. Ebenso trat Kobel endgültig aus dem Schatten von Yann Sommer hervor und wurde von einem Datenanbieter als bester Torhüter der WM bewertet. Ricardo Rodriguez wurde als bester Linksverteidiger genannt, während Xhaka, Manzambi und Ruben Vargas ebenfalls Top-5-Bewertungen in ihren Kategorien erhielten.
Besondere Momente und Fan-Kultur
Abseits des Spielfelds sorgten die Fans für unvergessliche Momente. Die schottischen Anhänger leerten Boston, ohne dass Schlägereien oder Sachbeschädigungen gemeldet wurden. Sie animierten sogar Jogger zu spontanen Aktionen. Die norwegische Ruder-Aktion, die von einem Influencer erfunden wurde, fand ebenfalls Beachtung, auch wenn sie von manchen als aufgesetzt empfunden wurde. Im Gegensatz dazu stand die Beziehung zwischen dem algerischen Team und seinen Gastgebern in Lawrence, Kansas, die als Beispiel für die verbindende Kraft des Sports galt.
Die WM brachte auch einige ungewöhnliche Geschichten hervor. Die Liebe der Engländer zu ihrem Lied „Wonderwall“ wurde als wunderschön beschrieben. Ein deutscher Nationaltrainer konnte den Engländern die Angst vor dem Verlieren nicht nehmen. Die WM zeigte, dass keines der für die Achtelfinals qualifizierten Gruppendritten ein K.o.-Spiel gewinnen konnte. Es dauerte 100 Spiele, bis die Weltnummern 1, 2, 3 und 4 in den Halbfinals standen, und nach 102 Spielen waren die Nummern 1 und 2 im Finale.
Die Kritik an der Größe der XXL-WM war zwar vorhanden, doch die kolportierten Rekordeinnahmen der FIFA von rund 15 Milliarden US-Dollar wurden von allen gerne angenommen. Die Teilnahme vieler Teams ermöglichte es, Spieler wie den kapverdischen Torhüter Vozinha kennenzulernen. Die härteste Kritik an den Leistungen der Schweizer Nationalmannschaft kam während der WM vom Teamkapitän Granit Xhaka selbst, der als Anführer alter Schule beschrieben wurde. Trotzdem wurde die beste WM in der Geschichte der Nationalmannschaft erreicht.
Auch Breel Embolo blieb im Gespräch, trotz vergangener Vorfälle wie dem Badewannen-Vorfall, einer Schwalbe und dem Vorwurf eines gefälschten Covid-Zertifikats. Die Sport-Schweiz behält ihn weiterhin in guter Erinnerung. Murat Yakin wurde sogar von der New York Times als Sexsymbol bezeichnet, was zu Diskussionen über die Bewertung des Äußeren von Personen in der Öffentlichkeit führte.
Kontroversen und die Rolle der FIFA
Die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino standen während des Turniers im Mittelpunkt verschiedener Diskussionen. Die FIFA brach ihre eigenen Regeln im Fall Balogun, was als deprimierend empfunden wurde, da es ohne Konsequenzen blieb. Folarin Balogun geriet unverschuldet in diese Situation und meisterte sie würdevoll. Selbst Sepp Blatter kritisierte die FIFA wegen mangelnder Integrität, was als Witz des Sommers bezeichnet wurde.
Die Anordnung von Trinkpausen bei 18 Grad in Vancouver wurde als humorvoll empfunden. Auch die Einmischung von US-Präsident Donald Trump, der Infantino wegen eines gesperrten Stürmers anrief, während der FIFA-Präsident den US-Präsidenten nicht kontaktieren wollte, als der somalische WM-Schiedsrichter Omar Artan nicht in die USA einreisen durfte, zeigte die politischen Verwicklungen. Die FIFA-Anpassungen, wie die Regeln für weniger Zeitspiel und mehr Spielfluss, wurden jedoch positiv bewertet.
Die Berichterstattung der Fernsehsender wurde ebenfalls kritisiert. Dem SRF wurde vorgeworfen, seit 20 Jahren keine neuen Ideen zu haben, mit klatschendem Publikum und immer gleichen Experten. Das ZDF nutzte eine alte „Wetten, dass…?“-Couch für seine Expertenrunden, während die ARD Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger wochenlang auf Medientribünen der US-Stadien zeigte. Es sei schwierig, es als TV-Station allen recht zu machen.
Die Leistungen einiger Top-Spieler wurden ebenfalls beleuchtet. Cristiano Ronaldo, obwohl immer noch eine globale Ikone, wurde als Fußballer auf Top-Niveau als vorbei angesehen, doch niemand traute sich, es ihm zu sagen. Er hatte 19 Ballkontakte im WM-Achtelfinale gegen Spanien. Neymars Prioritäten wurden hinterfragt, mit dem Duell gegen den norwegischen Goalie an erster Stelle, gefolgt von Tränen über seine letzte WM und erst später das Team. Selbst Carlo Ancelotti konnte die Seleçao nicht auf Kurs bringen, was auf ein Problem in Brasilien hindeutete.
Messi bewies, dass man nicht jeden Weg gehen muss, sondern sich auf das Wichtige konzentrieren sollte. Argentinien wurde mit Atletico Madrid verglichen, als hätte es Messi im Team. Deutschland war ebenfalls dabei. Spanien erreichte das WM-Finale auf eine ungewöhnlich unaufgeregte Weise und legte dabei 16.601 Flugkilometer zurück, was ein WM-Bestwert für ein Team war. FIFA-Boss Infantino übertraf dies jedoch mit fast 95.000 Flugkilometern, was zwei Weltumrundungen entspricht.
Die Vorhersagen vor dem letzten Gruppenspieltag, dass die Schweiz zu 92 Prozent auf den Iran treffen würde, erwiesen sich als falsch, da es Algerien wurde, was zeigte, dass Fußball keine Mathematik ist. Von den 16 Teams, die ohne die WM-Vergrößerung nicht dabei gewesen wären, erreichte Paraguay das Achtelfinale. Im Schnitt holten die 16 zusätzlichen Nationen pro Spiel 0,7 Punkte. Die WM wäre mit den Italienern schöner gewesen, und es bleibt abzuwarten, ob es in vier Jahren mit 64 Teams klappt. Der WM-Teilnehmer Iran durfte nicht in den USA übernachten, was niemanden zu stören schien. Die XXL-WM wurde als groß und zuweilen großartig beschrieben.
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Source: blick.ch





