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UEFA erwägt WM-Boykott wegen FIFA-Investorenplänen

UEFA-Boykott würde schon den September betreffen - und indirekt die Frauen-Bundesliga

Die europäischen Fußballverbände haben geschlossen einen Boykott der Weltmeisterschaft angedroht, sollte die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino an den geplanten Investorendeals festhalten. Diese Drohung wurde von Uli Hoeneß, dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern München, ausdrücklich begrüßt. Er betonte die Stärke der europäischen Verbände und deren Einfluss auf internationale Wettbewerbe.

Hoeneß äußerte sich am Rande eines Testspiels des FC Bayern und erklärte, dass ein Wettbewerb ohne europäische Beteiligung an Bedeutung verlieren würde. Er ist der Ansicht, dass Infantino mit seinen Plänen nicht erfolgreich sein wird, wenn die Europäer geschlossen und konsequent handeln. Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA haben einstimmig ihre Ablehnung gegenüber dem Vorschlag der FIFA bekundet, Beteiligungsrechte an der WM und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen.

Nicht nur die UEFA, sondern auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband Concacaf hat die Investorenpläne abgelehnt. Obwohl der Concacaf keinen Boykott androhte, wurde deutliche Kritik am fehlenden ordnungsgemäßen Verfahren, der künstlich verkürzten Frist und dem Fehlen jeglicher Prüfung oder Genehmigung durch die zuständigen FIFA-Gremien geäußert. Auch der asiatische Fußballverband positionierte sich gegen die Pläne Infantinos.

Kritik und Rücktritt

Die Pläne der FIFA sehen vor, über die geplante Tochtergesellschaft FFE mehr als vier Milliarden US-Dollar von externen Investoren einzuwerben. Zukünftige WM-Turniere sollen unter dem Dach der neu gegründeten FFE organisiert werden, wobei der Weltverband der Mehrheitseigentümer wäre. Infantino hatte angedeutet, dass die Vorschläge eine einfache Mehrheit von 106 der 211 Mitglieder benötigen würden. Ohne die Unterstützung der drei Kontinentalverbände – UEFA, Concacaf und des asiatischen Fußballverbandes – hätte er diese Mehrheit nicht mehr.

Ein weiterer Rückschlag für Infantino ist der Rücktritt seines leitenden Beraters Carlos Cordeiro. Cordeiro, ein ehemaliger Banker und langjähriger Fußballfan, trat aus Protest gegen die Pläne zurück. Er bezeichnete das Vorhaben als „schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports“.

Cordeiro betonte, dass er als leitender Berater des FIFA-Präsidenten und aufgrund seiner Erfahrung im Bankwesen die Konsequenzen der Abgabe von Anteilen an einem solchen Vermögenswert verstehe. Er war nach eigenen Angaben nicht an dem Vorschlag beteiligt und lehnt ihn entschieden ab. Die FIFA reagierte auf die weltweite Kritik mit einer Erklärung, in der sie betonte, an der geplanten Konsultation festhalten zu wollen, um sicherzustellen, dass jeder Mitgliedsverband seine Stimme auf der Grundlage von Fakten abgeben kann.

Hoeneß und Max Eberl

Uli Hoeneß äußerte sich auch zu den Aussagen von Max Eberl, dem Sportvorstand des FC Bayern München, der Ekel über die FIFA-Pläne geäußert hatte. Hoeneß erklärte, er könne mit Eberls klarem Statement „gut leben“. Er selbst habe eine „spezielle, sehr starke Meinung“ zu Infantino, die „auf jeden Fall“ gegen ihn gerichtet sei, es sei aber noch zu früh, diese bekanntzugeben.

Der 74 Jahre alte Hoeneß sprach auch über die Personalie Max Eberl und dessen Vertrag. Nachdem er vor dem Pokalfinale im Mai noch von einer Tendenz von „60 zu 40 für eine Verlängerung“ gesprochen hatte, legte er sich nun fest. Er bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Vertragsverlängerung auf „hundert“ Prozent. Der Aufsichtsrat, dem Hoeneß angehört, wird voraussichtlich im August über die Verlängerung von Eberls bis 2027 laufendem Vertrag entscheiden.

Hoeneß hatte zuvor mit Aussagen im Vorfeld des vom FC Bayern gegen den VfB Stuttgart gewonnenen Pokalendspiels für Aufsehen gesorgt. Er ärgerte sich im Nachhinein über sich selbst, da er „naiv“ gewesen sei und dachte, das Interview würde erst Tage nach dem Spiel erscheinen. Die Aussagen wurden jedoch bereits am Samstagmorgen veröffentlicht, was Hoeneß als unglücklich für Eberl vor dem Pokalendspiel empfand und sich dafür entschuldigte. Hoeneß und Eberl wurden am Rande eines Freundschaftsspiels im Gespräch gesehen, nachdem Eberl am Vortag bei der Frage nach seiner Vertragsverlängerung auf seine fehlende Zuständigkeit verwiesen hatte.

Die Uefa stellt sich geschlossen gegen die Pläne der Fifa, Investoren stärker an Wettbewerben zu beteiligen, und bringt einen Boykott der nächsten Weltmeisterschaft ins Spiel. Sportökonom Christoph Breuer sieht darin den Schutz der wirtschaftlichen Interessen des europäischen Fußballs.Quelle:WELT TV
Die Uefa stellt sich geschlossen gegen die Pläne der Fifa, Investoren stärker an Wettbewerben zu beteiligen, und bringt einen Boykott der nächsten Weltmeisterschaft ins Spiel. Sportökonom Christoph Breuer sieht darin den Schutz der wirtschaftlichen Interessen des europäischen Fußballs.Quelle:WELT TV Credit: welt.de

Die FIFA hatte mitgeteilt, durch den potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an der Weltmeisterschaft, eine Milliardensumme einspielen und künftig allen 211 Verbänden mehr Geld auszahlen zu wollen. Hoeneß äußerte seine Hoffnung, dass Europas größte Verbände eine Art Allianz schmieden und in dieser gemeinsame Interessen vertreten könnten, anstatt über mögliche Nachfolger im Amt des FIFA-Präsidenten zu sprechen.

Source: welt.de