Die Pläne der FIFA, Teile der kommerziellen Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, stoßen auf erheblichen Widerstand. Berichten zufolge erwägt die UEFA sogar einen Boykott von FIFA-Wettbewerben.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat mit seinen Vorschlägen, Anteile am WM-Geschäft zu veräußern, eine Welle der Empörung ausgelöst. Laut einem Bericht der „Times“ sollen bereits Kontakte zum Umfeld von US-Präsident Donald Trump hergestellt worden sein. Die UEFA plant, noch in dieser Woche eine Dringlichkeitssitzung mit ihren 55 Mitgliedsverbänden abzuhalten, um über mögliche Maßnahmen, einschließlich eines Boykotts der Weltmeisterschaft, zu beraten.
Infantinos Pläne und die Reaktion der UEFA
Die FIFA beabsichtigt, privaten Geldgebern die Möglichkeit zu geben, rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FFE zu erwerben. Der Wert dieses Unternehmens wird zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar geschätzt. In der FFE sollen die kommerziellen Rechte an verschiedenen FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Klub-WM.
Die FIFA würde nach eigenen Angaben die Mehrheit der Anteile am FFE behalten und weiterhin die Kontrolle über den Spielkalender sowie alle Regelwerksfragen ausüben. Zudem sollen alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie entweder behalten oder verkaufen könnten.
Die UEFA hat die Pläne umgehend scharf kritisiert. In einer Stellungnahme erklärte sie, dass „eine Grenze überschritten“ werde, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die UEFA nimmt diese Entwicklung „äußerst ernst“ und fordert alle nationalen Fußballverbände, Ligen, Vereine, Spieler, Fans und Regierungen auf, dies ebenfalls zu tun.
Die UEFA betonte, dass die „Seele und die Führung des Fußballs keine Handelsgüter“ seien, insbesondere wenn es an Transparenz fehle, wer finanziell davon profitiere. Sie stellte klar, dass niemand Eigentümer des Fußballs sei und es der FIFA nicht zustehe, ihn zu verkaufen.

Fristsetzung und mögliche finanzielle Anreize
Gianni Infantino hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Medienberichten zufolge, die sich auf einen fünfseitigen Brief berufen, sei eine einfache Mehrheit erforderlich, um das Vorhaben umzusetzen. Im Gegenzug für die Zustimmung verspricht Infantino eine Sonderzahlung.
In dem Schreiben heißt es demnach, dass ein „10-Milliarden-Dollar-Paket ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung“ stünde, sollte dieser „Fortschritt“ gewünscht werden. Dies würde die „nächste Phase unserer gemeinsamen Reise“ einleiten. Pro Verband ginge es jährlich um eine Summe von 40 Millionen US-Dollar, was viermal so viel wäre wie bisher.
Sollten die Verbände den Vorschlag ablehnen und den Status quo beibehalten wollen, stünde ihnen weiterhin die geplante Erweiterung des Forward-Programms um 2,7 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, wie bereits vorgestellt. Die UEFA reagierte auf diese Fristsetzung mit weiterer Kritik und erklärte, dass die FIFA den Sport nicht dazu nutzen dürfe, „sich selbst und ihre Freunde zu bereichern“.

Die UEFA betonte, dass es nach Gesprächen mit zahlreichen Akteuren aus dem gesamten Fußball „erheblichen und wachsenden Widerstand“ gegen das Vorhaben der FIFA gebe. Sie forderte, dass es an der Zeit sei, Verbänden, Vereinen, Ligen, Spielern und Fans Vorrang einzuräumen. Die Kontinentalverbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika zeigten sich inhaltlich offen für die Pläne, bemängelten jedoch, vorab nicht über Infantinos Vorhaben informiert worden zu sein.
Source: welt.de





