Spaniens Weg ins Halbfinale
Spanien hat sich in einem spannenden WM-Viertelfinale gegen Belgien in Los Angeles mit einem 2:1-Sieg durchgesetzt und damit das Halbfinale erreicht. Dieser Erfolg markiert das erste Mal seit 2010, dass die „La Roja“ wieder unter den letzten vier Mannschaften einer Weltmeisterschaft steht. Das entscheidende Tor fiel kurz vor Spielende, was die Partie zu einem Krimi machte.
Die Begegnung war lange Zeit ausgeglichen, wobei Spanien in der 30. Minute durch Fabián Ruiz in Führung ging. Dani Olmo schoss auf das Tor, und der belgische Torhüter Thibaut Courtois wehrte den Ball direkt vor die Füße von Ruiz ab, der zum 1:0 einschob. Belgien gelang jedoch noch vor der Pause der Ausgleich. In der 41. Minute köpfte Charles De Ketelaere nach einer Flanke von Castagne zum 1:1 ein. Dies war das erste Gegentor für den spanischen Schlussmann Simon in diesem Turnier, nachdem er zuvor 649 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war.
Die zweite Halbzeit blieb lange Zeit offen, bis Mikel Merino in der 88. Minute den Siegtreffer für Spanien erzielte. Cubarsi schoss aus 25 Metern, und der eingewechselte belgische Torhüter Senne Lammens ließ den Ball abprallen, woraufhin Merino zur Stelle war und zum 2:1 abstaubte. Dieser Treffer sicherte Spanien den Einzug ins Halbfinale, wo sie am kommenden Dienstag auf Frankreich treffen werden.
Belgiens Torhüter-Tragik
Für Belgien war das Spiel von einer unglücklichen Torhüter-Situation geprägt. Stammkeeper Thibaut Courtois musste in der 71. Minute beim Stand von 1:1 aufgrund einer Oberschenkelverletzung vom Feld. Er wurde durch Senne Lammens ersetzt, der kurz vor Schluss den spielentscheidenden Fehler machte. Lammens ließ einen Schuss von Pau Cubarsi aus 25 Metern nach vorne abprallen, was Mikel Merino zum Siegtreffer nutzte.
Die Auswechslung von Courtois war für ihn persönlich schwierig, da er seit 2014 keine WM-Minute für Belgien verpasst hatte. Trotz seiner Schmerzen im Quadrizeps hätte er nach eigener Aussage gerne weitergespielt, doch der Trainer entschied sich für einen Wechsel, um nur Spieler auf dem Feld zu haben, die zu 100 Prozent fit waren. Auch beim ersten Gegentor agierte Courtois unglücklich, als er einen Schuss von Dani Olmo nur in die Mitte abwehren konnte.
Für Senne Lammens war es ein „Kalt-Start“ in die Partie, da er vor dem entscheidenden Schuss kaum geprüft wurde. Das WM-Viertelfinale gegen Spanien war erst sein drittes Länderspiel, und der Druck, kurz vor Schluss bei einem 1:1-Stand eingewechselt zu werden, war enorm. Nach dem Spiel zeigte sich Lammens untröstlich und wirkte in diesem Moment wie der einsamste Mensch im Stadion in Los Angeles. Courtois äußerte sich jedoch positiv über seinen jungen Kollegen und betonte, dass dieser Moment ihn stärker machen werde.
Herausforderungen für Belgien vor und während des Spiels
Die belgische Mannschaft hatte bereits vor dem Anpfiff mit Rückschlägen zu kämpfen. Kapitän Youri Tielemans verletzte sich beim Aufwärmen und musste kurzfristig durch Vanaken ersetzt werden. Trainer Rudi Garcia musste somit bereits vor dem Spiel eine ungewollte Änderung vornehmen. Diese Verletzungen, kombiniert mit dem Ausfall von Courtois während des Spiels, stellten die „Roten Teufel“ vor große Herausforderungen.
Rudi Garcia betonte nach dem Ausscheiden, dass die Verletzungen nicht vorteilhaft gewesen seien und man gegen eine Mannschaft wie Spanien keine Fehler machen dürfe. Er beschrieb das Spiel als lange Zeit auf Augenhöhe, besonders nach dem Ausgleich. Er hob hervor, dass manchmal die Details zählen und es an diesem Tag einfach nicht gereicht habe. Die belgische Mannschaft, die oft als „Goldene Generation“ bezeichnet wurde, zu der Spieler wie Kevin De Bruyne, Axel Witsel und Romelu Lukaku gehören, konnte in den letzten zwölf Jahren keinen Titel gewinnen und wird wohl als „Unvollendete Generation“ in die Fußballgeschichte eingehen.
Für Thibaut Courtois könnte das WM-Viertelfinale sein letztes Weltmeisterschafts-Spiel gewesen sein. Er plant eine mögliche Pause von der Nations League, um sich zu erholen und möglicherweise für die Qualifikationsspiele und die EM 2026 zurückzukehren. Die Entscheidung über seine Zukunft liegt jedoch beim Trainer und dem Verband. Die Leistung von Senne Lammens wird dabei ebenfalls eine Rolle spielen.
Spaniens taktische Entscheidungen und Merinos Bedeutung
Auch auf spanischer Seite gab es vor dem Spiel eine bemerkenswerte taktische Entscheidung. Trainer Luis de la Fuente setzte Pedri, der zuvor in allen fünf Spielen von Beginn an gespielt hatte, auf die Bank und startete stattdessen mit Fabián Ruiz. Dieser mutige Schritt zahlte sich aus, da Ruiz das erste Tor für Spanien erzielte.
Mikel Merino erwies sich erneut als entscheidender Spieler für späte Tore. Bereits 2024 hatte er Spanien im EM-Viertelfinale gegen Deutschland in der 119. Minute weitergebracht. Erst am Montag sorgte sein Tor in der ersten Minute der Nachspielzeit für den 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Portugal. Sein Treffer in der 88. Minute gegen Belgien unterstreicht seine Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zu treffen.
Die spanische Mannschaft, die als Europameister ins Turnier ging, wird nun am kommenden Dienstag um den Einzug ins Endspiel der WM 2026 gegen Frankreich kämpfen.
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Source: spiegel.de





