Der Widerstand gegen Gianni Infantino als Präsident der FIFA nimmt zu. Mehrere Medien haben über mögliche Pläne berichtet, wie seine Gegner vorgehen könnten. Dies geschieht, nachdem die FIFA Pläne zum Teilverkauf der Weltmeisterschaft an eine Investorengruppe zurückgezogen hat.
Die UEFA hat Infantino in einer offiziellen Erklärung das Vertrauen entzogen und fordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch nationale Verbände wie Wales und England haben ihre Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos zurückgezogen.
Mögliche Szenarien für einen Führungswechsel
Ein möglicher Ablauf, der in Medien beschrieben wird, sieht vor, dass Infantino sich bei einer Sondersitzung des FIFA-Councils erklären soll. Dieses Gremium ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Organisation zwischen den FIFA-Kongressen und besteht aus 37 Mitgliedern. Für die Einberufung einer Krisensitzung müssten 19 Teilnehmer zustimmen, und das Treffen müsste innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Eine Aufforderung zum Rücktritt könnte Infantino jedoch ablehnen.
Falls Infantino einen sofortigen Rücktritt ablehnt, könnte ein Gegenkandidat aufgebaut werden. Gegner aus Europa, Asien sowie Mittel- und Nordamerika müssten sich demnach auf einen Herausforderer einigen. Eine alternative Möglichkeit für einen Sturz wäre, wenn 43 der 211 FIFA-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und eine Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen Infantino erzielen. Dies könnte seinen Abschied bereits vor der regulären Wahl im März 2027 bedeuten.
Potenzielle Herausforderer und ihre Positionen
Mehrere Namen werden als mögliche Herausforderer für Infantino gehandelt. Ursprünglich galt Nasser Al-Khelaifi, der katarische Besitzer von Paris Saint-Germain, als Favorit. Er hat jedoch bereits mitgeteilt, kein Interesse am Posten des FIFA-Chefs zu haben. Er bleibt vorerst Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und Vertrauter von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.
Aleksander Ceferin selbst wäre ein logischer Herausforderer. Der slowenische Rechtsanwalt hat jedoch eine erneute Kandidatur für den europäischen Dachverband im Jahr 2027 ausgeschlossen. Er äußerte, dass jede Organisation nach einer gewissen Zeit „frisches Blut“ benötige. Ob diese Ansicht auch für eine mögliche Kandidatur bei der FIFA gilt, bleibt offen.
Auch Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrain, der asiatische Verbands-Boss, wird in diesem Zusammenhang genannt. Er hatte Gianni Infantino bereits im Jahr 2016 herausgefordert, unterlag damals aber knapp. Medienberichten zufolge werden auch Victor Montagliani, Präsident des Kontinentalverbands Concacaf, entsprechende Ambitionen nachgesagt.
Mattias Grafström, der im Jahr 2024 offiziell FIFA-Generalsekretär wurde, ist ebenfalls ein Name, der in den Diskussionen auftaucht. Er gilt eigentlich als enger Vertrauter von Gianni Infantino. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Bisher gibt es jedoch keinen offiziellen Gegenkandidaten zu Infantino.
Hintergrund des Widerstands und Infantinos Kampf um das Amt
Der wachsende Widerstand gegen Infantino folgt auf heftige Kritik an den inzwischen aufgegebenen Plänen der FIFA, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Nach massivem Widerstand aus dem Weltfußball hatte Infantino sein Vorhaben zurückgezogen. Die UEFA hatte zuvor mit einem Boykott gedroht und den Schweizer auch danach scharf kritisiert.
Die Hauptsponsoren der FIFA sollen aufgrund der negativen Reaktionen auf Infantinos Verkaufsverhandlungen alarmiert sein. Die beteiligte Bank JP Morgan soll aus dem Projekt ausgestiegen sein. Einem Bericht zufolge wollte Infantino nach seiner dritten Amtszeit als FIFA-Präsident im Jahr 2031 der neue Oberboss der WM-Firma werden, mit einem Jahresgehalt von 30 Millionen Dollar, ohne Bonuszahlungen. Dies bestreitet die FIFA jedoch.
Infantino kämpft derzeit um sein Amt. Seine Vertrauten sprechen mit Vertretern von Ländern, von denen sie sich Unterstützung erhoffen, hauptsächlich aus Afrika und Südamerika. Sollte die Koalition aus Europa, Asien sowie Mittel- und Nordamerika bestehen bleiben, könnte Infantino demnach keine Chance mehr haben, seine Position zu halten. Am 18. März 2027, auf dem 77. FIFA-Kongress in Rabat, Marokko, will sich Infantino gemäß den Statuten ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen.

Source: spiegel.de





