Der Mont Ventoux, bekannt als der „Riese der Provence“, wird bei der Tour de France Femmes 2026 eine entscheidende Rolle spielen. Für die Top-Favoritin Demi Vollering ist dieser berühmte Anstieg nicht nur sportlich von großer Bedeutung, sondern auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Der Berg, der eine Höhe von 1910 Meter erreicht und Rampen mit bis zu 15 Prozent Steigung aufweist, gilt unter Radprofis als besonders anspruchsvoll.
Vollering, die derzeit den zweiten Platz in der Gesamtwertung belegt, sieht im Mont Ventoux den Ort, an dem für sie alles begann. Sie beschreibt ihn als den ersten richtigen Berg, den sie je hochgefahren ist. Diese Erfahrung weckt viele Erinnerungen an ihre Zeit als Eisschnellläuferin, als sie mit ihrer Trainingsgruppe regelmäßig in Südfrankreich trainierte und Ausflüge zum Ventoux unternahm. Diese Fahrten wurden von einem ihrer Trainer organisiert, und die Gruppe kehrte in den Folgejahren immer wieder dorthin zurück.
Persönliche Erinnerungen und die Bedeutung des Mont Ventoux
Die 29-jährige Niederländerin äußerte sich emotional über ihre Vergangenheit, insbesondere im Hinblick auf die hohen Temperaturen während der Rundfahrt. Obwohl sie Hitze normalerweise nicht mag, erinnerte sie sich an ihre Kindheit, als sie ihren Vater vor dem Zeitfahren am Dienstag wiedersah. Sie dachte sofort an dessen harte Arbeit in der familieneigenen Blumengärtnerei, wo er täglich bei 30 Grad in den Gewächshäusern arbeitet.
Diese Erinnerung machte Vollering sichtlich emotional. Sie betonte, dass ihr dabei wieder bewusst wurde, woher sie kommt und dass das Leiden dort einfach dazugehört und angenommen werden muss. In ihrer Kindheit half sie ihrem Vater immer wieder in der Gärtnerei. Einer ihrer Trainer stellte kürzlich eine Verbindung zwischen dieser Erfahrung und ihrer Stärke auf besonders heißen Etappen her.
Der Mont Ventoux wird zum ersten Mal in der Geschichte der Tour de France Femmes Teil einer Etappe sein. Vollering verbindet mit dem Berg besondere Gefühle und bezeichnet ihn als wunderschön. Sie hofft, am Freitag den Grundstein für den Gewinn des Gelben Trikots legen zu können. Aktuell liegt sie zwölf Sekunden hinter der Schweizerin Marlen Reusser, die das Maillot jaune trägt.

Der Mont Ventoux: Ein Berg voller Geschichte
Der Mont Ventoux ist nicht nur für Vollering ein besonderer Ort, sondern auch für seine reiche und oft tragische Geschichte im Radsport bekannt. Die beängstigende Mondlandschaft des Berges war Schauplatz mehrerer denkwürdiger Ereignisse. Im Jahr 1967 ereignete sich dort eine der größten Tragödien der Tour de France, als der Brite Tom Simpson drei Kilometer vor dem Ziel entkräftet vom Rad fiel und später im Krankenhaus von Avignon verstarb.
Ein Gedenkstein für Simpson steht 1,5 Kilometer vor dem Ziel. Als Eddy Merckx 1970 diese Stelle passierte, bekreuzigte er sich. Auch Lance Armstrong und Marco Pantani lieferten sich im Jahr 2000 ein bekanntes Duell am Ventoux, bei dem der italienische Kletterkönig siegte, Armstrong jedoch die Tour gewann. Später kam ans Licht, dass beide bei ihren Leistungen nachgeholfen hatten.
Im Jahr 2016 erlebte der viermalige Tour-Sieger Chris Froome am Ventoux einen spektakulären Zwischenfall. Er stürzte 1,2 Kilometer vor dem Ziel durch ein TV-Motorrad und musste einen unfreiwilligen Berglauf einlegen, nachdem der Rahmen seiner Rennmaschine brach. Trotz dieses Crashs gewann Froome die Tour, und eine weitere Episode am mythischen Ventoux war geschrieben. Die deutsche Meisterin Franziska Koch hat den Berg in ihrer Jugend mit dem Mountainbike bezwungen, während er für ihre Kollegin Antonia Niedermaier Neuland ist, die ihn bisher nur von Analyse-Tools kennt.
Die Frauen nehmen den Mythos des Ventoux nun erstmals in Angriff. Franziska Koch äußerte sich positiv über das Wachstum des Frauenradsports und verwies auf Erfolge wie am Angliru, die zeigen, dass auch Frauen große Berge bezwingen können.

Die Etappe am Freitag könnte für Demi Vollering eine entscheidende Rolle im Kampf um das Gelbe Trikot spielen.
Source: eurosport.de





