Richard Carapaz hat die Königsetappe der Tour de France einen Tag vor dem Finale in Paris gewonnen. Der Ecuadorianer profitierte dabei von einem Sturz des führenden Sepp Kuss kurz vor dem Ziel. Tadej Pogacar steht nach dieser Etappe vor seinem fünften Gesamtsieg der Tour, während Remco Evenepoel und Isaac del Toro die Plätze zwei und drei in der Gesamtwertung belegen.
Die 20. Etappe, die über 171 Kilometer von Le Bourg d’Oisans nach Alpe d’Huez führte, war mit 5.450 Höhenmetern die schwierigste der gesamten Tour. Drei Anstiege der höchsten Kategorie und einer der ersten Kategorie waren zu bewältigen. Der Weg nach Alpe d’Huez führte diesmal von der Ostseite über den Col de Sarenne.
Dramatisches Finale und Carapaz‘ Triumph
Ein großes Drama ereignete sich auf den letzten Kilometern der Etappe. Sepp Kuss hatte als Erster die letzte Bergwertung 14,3 Kilometer vor dem Ziel passiert und führte mit wenigen Sekunden Vorsprung durch Alpe d’Huez. Kurz vor dem Ziel stürzte der Amerikaner in einen Fangzaun, der ihn vor einem tieferen Fall bewahrte. Carapaz zog an Kuss vorbei und sicherte sich seinen zweiten Etappensieg bei dieser Tour und seinen dritten insgesamt. Kurz darauf überholte auch Evenepoel den gestürzten Kuss und erreichte das Ziel als Zweiter mit einem Rückstand von 26 Sekunden, während Kuss sich mit dem dritten Platz begnügen musste.
Carapaz hatte sich bereits zuvor den Gewinn des Bergtrikots gesichert. Er hatte das Gepunktete Trikot am Vortag von Pogacar übernommen. Auf dieser Etappe wählte der 33-Jährige eine offensive Strategie und attackierte 3,6 Kilometer vor der Passhöhe, wodurch er sich einen Vorsprung von 22 Sekunden auf Valentin Paret-Peintre erarbeitete und die ersten 20 Punkte holte. Auf dem Col du Galibier, dem Dach der Tour, krönte Carapaz seine Leistung mit weiteren 20 Bergpunkten, was den Gewinn des Bergtrikots mit 49 Punkten Vorsprung vor Pogacar besiegelte.

Pogacars Unterstützung für del Toro und Pedersens Grünes Trikot
Tadej Pogacar stellte sich auf der Königsetappe voll in den Dienst seines UAE-Teamkollegen Isaac del Toro. Der Mann im Gelben Trikot übernahm auf den letzten 50 Kilometern die Tempoarbeit in der Spitzengruppe, um del Toro so schnell wie möglich ins Ziel zu führen und dessen dritten Platz in der Gesamtwertung zu sichern. Pogacar folgte der späten Attacke von Evenepoel nicht, sondern blieb an der Seite des Mexikaners. Das Duo überquerte die Ziellinie gemeinsam als Vierter und Fünfter mit einem Rückstand von 1:05 Minuten.
In der Gesamtwertung führt Pogacar mit einem Vorsprung von 6:26 Minuten vor Evenepoel. Del Toro liegt 9:42 Minuten hinter Pogacar auf dem dritten Platz. Der Franzose Paul Seixas behielt im Gesamtklassement den fünften Platz, obwohl er am letzten Anstieg den Kontakt zur Favoritengruppe verlor.
Mads Pedersen sicherte sich auf dieser Etappe das Grüne Trikot. Er fuhr mit den Verfolgern zum Spitzenduo vor und holte sich bei der Sprintwertung ohne Gegenwehr 25 Punkte. Damit hat er das Grüne Trikot mit 82 Punkten Vorsprung sicher und muss es nur noch in Paris ins Ziel bringen. Lidl-Trek behauptete zudem die Führung in der Teamwertung.
Auswirkungen auf die letzte Etappe
Die 20. Etappe begann mit einer großen Kletterpartie, dem 24 Kilometer langen Anstieg zum Col de la Croix de Fer. Dort fiel voraussichtlich die Entscheidung im Kampf um das Bergtrikot. Carapaz und Paret-Peintre lieferten sich ein hartes Duell, bei dem Carapaz die Oberhand behielt.
Die letzte Etappe der Tour de France, die am Sonntag in Paris endet, wurde aufgrund von Waldbränden in Frankreich kurzfristig auf 89 Kilometer verkürzt. Statt 133 Kilometern wird die Strecke komplett in die Hauptstadt verlegt, beginnend in Paris anstelle des Vorortes Thoiry. Es werden zwei zusätzliche Runden um die Champs-Élysées eingebaut, während die drei Überquerungen des Montmartre-Hügels bestehen bleiben. Dies erhöht die Chancen der Sprinter, Ausreißer wieder einzuholen.
Der deutsche Radprofi Pascal Ackermann musste die Tour bereits am Anstieg zum Col de la Croix-de-Fer beenden. Er hatte sich am Vortag bei einem Sturz verletzt, als er an einem Team-Materialwagen hängenblieb und sich über die Motorhaube drehte. Die 113. Frankreich-Rundfahrt endet am Sonntag in der französischen Hauptstadt.
Source: sportschau.de





