Der Fall eines italienischen Journalisten, der mit Spyware bespitzelt wurde, wirft ernsthafte Fragen zur Pressefreiheit in Italien auf. Francesco Cancellato, Chefredakteur von Fanpage, wurde 2025 Ziel eines Hackerangriffs, der mit der Überwachungssoftware ‚Graphite‘ durchgeführt wurde.
Cancellato ist bekannt für seine investigative Berichterstattung über Korruption. Die Software ‚Graphite‘ kann Mikrofon und Kamera aktivieren sowie den Standort des Nutzers feststellen. Diese Technologie wird von Paragon Solutions hergestellt, einem Unternehmen, das seine Produkte nur an demokratische Staaten verkauft. Dennoch ist die Verwendung solcher Software ein alarmierendes Zeichen für die Pressefreiheit.
Italien belegt derzeit den 56. Platz in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Dies zeigt, dass die Herausforderungen für Journalisten in diesem Land erheblich sind. WhatsApp hat zudem Angriffe auf Journalisten in 14 EU-Ländern registriert, was die Reichweite des Problems verdeutlicht.
Cancellato äußerte sich besorgt über seine Situation: „Ich bin überzeugt, dass ich als Chefredakteur einer politisch exponierten Redaktion bespitzelt wurde.“ Diese Bemerkung unterstreicht die Gefahren, denen Journalisten ausgesetzt sind, wenn sie über sensible Themen berichten.
Die italienische Regierung hat den Vertrag mit Paragon Solutions beendet — eine Entscheidung, die jedoch umstritten ist. Helene Hahn von Reporter ohne Grenzen warnte: „Die Überwachungsskandale werden auch in der EU nicht abreißen, solange Staaten die Möglichkeit haben, invasive Überwachungssoftware heimlich einzukaufen und zu nutzen.“
Es bleibt unklar, wer Cancellato bespitzelt hat und warum. Auch ob die italienische Regierung tatsächlich bei der Aufklärung helfen wird, ist fraglich. Cancellato selbst sagte: „Ihr einziges Ziel war es, sich selbst reinzuwaschen. Nicht, mir Gerechtigkeit zu verschaffen.“ Diese Worte zeigen die Frustration und das Misstrauen gegenüber den Behörden.
Die Situation verdeutlicht nicht nur die Herausforderungen des investigativen Journalismus, sondern fordert auch eine stärkere Regulierung von Überwachungsfirmen innerhalb der EU. Die Frage bleibt: Wie kann man die Pressefreiheit schützen und gleichzeitig sicherstellen, dass solche Technologien nicht missbraucht werden?





