Der älteste Paternoster der Welt, erbaut 1908, war bis vor kurzem ein faszinierendes Relikt im Flüggerhaus am Rödingsmarkt in Hamburg. Doch die Situation hat sich dramatisch gewandelt. Plötzlich wurde er abgebaut — und das offenbar ohne die erforderliche Genehmigung.
Am 27. April 2026 kam es zu einem rechtlichen Streit, als die Denkmalschutzbehörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Eigentümer Harm Müller-Spreer einleitete. Müller-Spreer behauptete, der Paternoster sei nicht funktionsfähig gewesen und er habe damit „nichts zu tun gehabt“. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.
Der Paternoster wurde 1979 stillgelegt und geriet in Vergessenheit — über vier Jahrzehnte lang. Erst 2018, nach intensiven Recherchen eines Kunsthistorikers, wurde er wiederentdeckt und als herausragendes technisches Denkmal gewürdigt. Die Restaurierung erforderte unglaubliche 2500 Arbeitsstunden.
So war die Wiederentdeckung eine kleine Sensation für den Denkmalschutz in Hamburg. Das Kulturdenkmal sollte wieder in neuem Glanz erstrahlen. Doch dann kam der Schock: Teile des Paternosters wurden in Containern vor dem Flüggerhaus gefunden, was auf einen ungenehmigten Ausbau hindeutet.
Die Kulturbehörde verhängte daraufhin einen Baustopp für das Flüggerhaus. Warum? Weil es keinen Antrag auf den Ausbau gegeben hatte, wie die Denkmalschutzbehörde bestätigte. Dies wirft Fragen auf — vor allem über die Verantwortung des Eigentümers und den Schutz historischer Gebäude.
Aktuell stehen die Pläne für das Flüggerhaus auf der Kippe. Der neue Eigentümer hatte vorgesehen, Büros, Einzelhandel und 19 Mietwohnungen zu entwickeln. Doch ohne Klärung des rechtlichen Status des Paternosters könnte dieses Vorhaben ins Stocken geraten.
Die gefundenen Teile sind noch nicht offiziell als Bestandteile des Paternosters bestätigt worden. Was bedeutet das für die Restaurierung? Und wird der Paternoster jemals wieder in Betrieb genommen? Diese Fragen bleiben vorerst offen.
Die Situation ist angespannt — sowohl für die Denkmalschutzbehörden als auch für die Stadt Hamburg insgesamt. Der Paternoster ist mehr als nur ein Aufzug; er ist ein Teil der Kulturgeschichte dieser Stadt. Und sein Schicksal könnte weitreichende Folgen für zukünftige Restaurierungsprojekte haben.





