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Norwegischer Fußballverband fordert Infantinos Rücktritt

Fifa-Krise: Norwegens Fußballverband fordert Infantino zum Rücktritt auf

Der norwegische Fußballverband NFF hat sich für den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Nach einer Sitzung der Verbandsführung erklärte die NFF-Vorsitzende Lise Klaveness, dass der Verband Infantino nicht mehr vertraue und ihn zum Rücktritt auffordern werde. Klaveness betonte, dass Infantino nicht über das institutionelle Vertrauen verfüge, um die FIFA in der aktuellen Phase stabil zu führen.

Klaveness beschrieb die Situation als ein Chaos, in dem der Schweizer nicht mehr die Persönlichkeit sein könne, die in der Lage ist, alle zu vereinen. Sie fügte hinzu, dass es für Gianni Infantino keinen Weg zurück mehr gebe und außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich seien, um einen dauerhaften Wandel herbeizuführen.

Kritik an Investorenplänen und fehlendes Vertrauen

Die Forderung des NFF folgt auf Infantinos Versuch, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Diese Pläne stießen auf massiven Widerstand und Kritik, insbesondere von der Europäischen Fußball-Union UEFA, und mussten innerhalb weniger Tage zurückgezogen werden.

Die UEFA hatte sich geschlossen gegen Infantino gestellt und drohte, FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren. Mehrere Nationalverbände, darunter England, Schweden, Wales und Serbien, zogen ihre Unterstützungsschreiben zurück. Auch der südamerikanische Verband Conmebol äußerte sich kritisch zu den Privatisierungsplänen.

Ein Strategiepapier zeigte, dass Infantino die FIFA als globales Wirtschaftsunternehmen neu aufstellen wollte, mit Unterstützung der Investmentbank J.P. Morgan. Ziel war es, eine breit aufgestellte Investorengruppe für eine geplante Kapitalaufnahme von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar zu gewinnen. Das kommerzielle Geschäft sollte in die neue Gesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) ausgelagert werden, die Medienrechte, Sponsoring, Hospitality, Ticketing und digitale Geschäftsmodelle bündeln sollte.

Die FIFA sah sich selbst als globale Sport- und Medienmarke, deren wirtschaftliches Potenzial noch nicht ausgeschöpft sei. Als Maßstab wurden im Strategiepapier nicht andere Verbände, sondern erfolgreiche Sportprodukte wie die National Football League NFL, die Basketball Liga NBA, die Major League Baseball, die englische Premier League und die UEFA Champions League genannt. Die FIFA argumentierte, dass sie im Vergleich zu ihrer globalen Reichweite wirtschaftlich „under-monetized“ sei.

Reaktionen und zukünftige Entwicklungen

Trotz der Entschuldigung von FIFA-Präsident Infantino und Generalsekretär Mattias Grafström für das Vorgehen und die mangelnde Einbindung der Verbände, bleibt die UEFA unbeeindruckt. Die UEFA-Verbände haben ihre Bedingungen für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben klar formuliert: Der Plan zum Verkauf von Anteilen muss vollständig zurückgezogen werden, und es muss sichergestellt sein, dass solche Versuche, den Fußball zu entstellen, niemals wieder unternommen werden.

Die FIFA-Führung trat nach einer Krisensitzung in Marokko geeint auf und sicherte Infantino Unterstützung zu, räumte jedoch Fehler bei den Investorenplänen ein. Währenddessen erhielt Infantino weiterhin Rückhalt aus Afrika. Das Exekutivkomitee des Kontinentalverbandes CAF bekräftigte einstimmig seine Unterstützung für Infantino und dankte ihm für seine Unterstützung des afrikanischen Fußballs.

Uefa-Präsident Aleksander Čeferin und Fifa-Boss Gianni Infantino, 2024 in Berlin: Vertrauen verloren
Uefa-Präsident Aleksander Čeferin und Fifa-Boss Gianni Infantino, 2024 in Berlin: Vertrauen verlorenFoto: Kai Schwoerer / Schwörer Pressefoto / IMAGO Credit: spiegel.de

Lise Klaveness gilt als eine der deutlichsten Kritikerinnen Infantinos. Der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte sie zuvor als mögliche Nachfolgerin Infantinos vorgeschlagen, was Klaveness jedoch mit den Worten „So weit sind wir noch nicht“ kommentierte. Infantino ist derzeit der einzige erklärte Kandidat für die Wiederwahl im März 2027.

Source: zeit.de