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Bundesregierung und norwegischer Verband fordern Infantinos Rücktritt

„Hinterzimmer-Methoden“ – Erstes Mitglied der Bundesregierung fordert Infantinos Rücktritt

Forderungen nach Rücktritt von FIFA-Präsident

Wolfram Weimer, Kultur- und Medienstaatsminister der Bundesregierung, hat den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert. Weimer äußerte sich ungewöhnlich deutlich und erklärte, Infantino habe dem Weltfußball durch einen geplanten Ausverkauf der Weltmeisterschaft schweren Schaden zugefügt. Er betonte, dass Infantino das Vertrauen der europäischen Fußballgemeinschaft verloren habe und sich im kommenden Jahr nicht zur Wiederwahl stellen sollte.

Gleichzeitig hat auch der norwegische Fußballverband unter Präsidentin Lise Klaveness Infantino aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Klaveness erklärte, dies sei das Ergebnis einer gemeinsamen Sitzung und dass man Infantino nicht mehr vertraue. Sie fügte hinzu, dass das Vertrauen endgültig verloren sei und es für Infantino kein Zurück mehr gebe.

Kritik an „Hinterzimmer-Methoden“ und Investorenplänen

Die Kritik an Infantino entzündet sich unter anderem an seinen Versuchen, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Diese Pläne wurden nach wenigen Tagen unter großem Druck, insbesondere von der Europäischen Fußball-Union (UEFA), gestoppt. Weimer betonte, dass Fußball ein Kulturgut für alle sei und keine Spekulationsware für wenige. Er lobte die UEFA für ihre klare Positionierung mit einer WM-Boykottdrohung.

Weimer kritisierte zudem die „Hinterzimmer-Methoden“, mit denen Infantino den Weltverband führe. Er forderte Aufklärung darüber, wie es zur Aussetzung der Rotsperre für den US-Fußballer Folarin Balogun bei der Fußball-WM kam und ob ein Anruf des US-Präsidenten Donald Trump bei Infantino dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Laut Weimer gehört der Fußball allen und nicht einer „Clique von clever-gierigen Dealmakern“.

Die norwegische Verbandspräsidentin Klaveness äußerte ebenfalls Bedenken über die Entwicklung unter Infantino. Sie beschrieb eine ständige Besorgnis und eine Reihe von beunruhigenden Schritten, die zum endgültigen Vertrauensverlust geführt hätten. Klaveness betonte, dass außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich seien, um einen dauerhaften Wandel herbeizuführen.

Lise Klaveness: kritische Stimme im Weltfußball
Lise Klaveness: kritische Stimme im WeltfußballFoto: Vegard Grät / IMAGO / Bildbyran Credit: spiegel.de

Forderungen an den DFB und europäische Position

Weimer forderte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu „aktivem Widerstand“ gegen Infantino auf. Er hob hervor, dass der DFB mit seinen 24.000 Vereinen und acht Millionen Mitgliedern der größte Sportverband der Welt sei und seine Stimme Gewicht habe. Weimer argumentierte, dass es ohne DFB, UEFA und den europäischen Fußball keine Fußball-WM geben werde. Die UEFA hat ihre Boykottdrohung auch nach dem Scheitern des Investorendeals aufrechterhalten.

Die UEFA hatte mitgeteilt, dass die Bedingungen für eine Rückkehr der Europäer zu FIFA-Wettbewerben auch nach den gescheiterten Investorenplänen nicht erfüllt seien. Dies hätte Auswirkungen auf Wettbewerbe wie die U20-WM der Frauen in Polen, die am 5. September beginnt.

Klaveness, die seit 2022 den norwegischen Verband (NFF) führt, ist bekannt als kritische Stimme im Weltfußball. Kurz nach ihrem Amtsantritt kritisierte sie auf dem FIFA-Kongress in Doha die WM-Vergabe an Katar. Auch nach der Verleihung des sogenannten „Friedenspreises“ der FIFA an US-Präsident Donald Trump schloss sie sich mit ihrem Verband einer Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare an.

Gianni Infantino: Wahlen im März
Gianni Infantino: Wahlen im März Credit: spiegel.de

Infantinos Position und mögliche Nachfolger

Gianni Infantino ist seit 2016 FIFA-Chef und derzeit der einzige Kandidat für die Wahl eines neuen Präsidenten im März. Für eine Wiederwahl benötigt er eine Mehrheit der 211 Stimmen der Mitgliedsverbände. Während Europa geschlossen gegen Infantino steht und mit Boykott droht, kann er weiterhin auf Unterstützung aus anderen Regionen, wie beispielsweise Afrika, zählen. Auch die FIFA-Spitze hatte sich hinter Infantino gestellt.

Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte sich für Lise Klaveness als Infantinos Nachfolgerin ausgesprochen. Blatter würdigte Klaveness für ihre klare Haltung und ihre Weigerung, sich dem Mainstream anzuschließen. Er äußerte, dass die Zeit reif sei, dass eine Frau die Führung bei der FIFA übernehme. Klaveness selbst äußerte sich dazu zurückhaltend und betonte, dass es ihr um die angesprochenen Themen gehe und nicht um bestimmte Personen.

Neben Klaveness werden auch UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und CONCACAF-Boss Victor Montagliani als mögliche Nachfolgekandidaten gehandelt. Die Wahl des neuen Präsidenten ist für März angesetzt.

Weimer betonte abschließend, dass Fußball ein hoher Wert sei, ein demokratisches Gemein- und Kulturgut, das auf Offenheit, Mitmachen, Respekt und Fairness basiere. Er kritisierte, dass die Preise für Tickets und Fan-Trikots bereits zu hoch seien.

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Source: welt.de