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FIFA-Präsident Infantino unter Druck nach Investorenplänen und interner Kritik

Nach UEFA-Boykottdrohung: FIFA will weitermachen und gibt anderen die Schuld für das Chaos - sportschau.de

FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht sich nach seinen Plänen, Anteile an einem neuen Tochterunternehmen an Investoren zu verkaufen, erheblichem Widerstand gegenüber. Diese Pläne, die bis zu 20 Prozent der Anteile umfassen sollen, haben zu scharfer Kritik von Kontinentalverbänden und sogar aus den eigenen Reihen der FIFA geführt.

Der leitende Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest gegen die Investorenpläne zurück. Er bezeichnete das Vorhaben als „schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports“. Cordeiro betonte, in keiner Weise an der Ausarbeitung dieses Vorschlags beteiligt gewesen zu sein.

Auch Kevin Lamour, Betriebsdirektor der FIFA, äußerte schwere Vorwürfe gegen Infantino. In einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt, erklärte Lamour, die Mitarbeiter seien hintergangen worden und hätten „Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung“. Er bezeichnete das Projekt als „Projekt einer Person“ und forderte, dass es nicht weitergeführt werden dürfe.

Widerstand von Kontinentalverbänden

Die Pläne stießen auf massiven Widerstand von mehreren großen Kontinentalverbänden. Die UEFA drohte mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben, falls die Investorenpläne umgesetzt würden. Kurz darauf lehnte auch die CONCACAF die Vorschläge ab. Die AFC schloss sich dieser Kritik an und äußerte sich ebenfalls kritisch zu den Vorgehensweisen.

Zusammengenommen verfügen die UEFA, CONCACAF und AFC über eine Stimmenmehrheit innerhalb der FIFA. Die Geschlossenheit dieser Opposition wird als erheblich angesehen. Ein anhaltender Boykott der UEFA könnte bereits mehrere Turniere in wenigen Monaten betreffen, darunter die U20-WM der Frauen in Polen und die U17-WM der Frauen in Marokko. Die Frauen-WM 2027 in Brasilien wäre das erste große Event ohne europäische Topstars.

FIFA-Präsident Gianni Infantino
FIFA-Präsident Gianni Infantino Credit: sportschau.de

Die FIFA reagierte auf die Kritik mit einer Stellungnahme, in der sie die Pläne als bloßen Vorschlag darstellte und die Störung des Prozesses auf „fehlerhafte Medienberichte“ zurückführte. Die Berichterstattung der „Times“ vom Dienstag wird dabei als Auslöser genannt.

Kritik an der Entscheidungsfindung

Die AFC kritisierte, dass wichtige Akteure oft mit Initiativen konfrontiert würden, nachdem die Richtung bereits festzustehen scheine. Dies untergrabe das Vertrauen in die Governance-Struktur der FIFA und schwäche die Autorität ihrer Gremien. Ein nachfolgendes Konsultationsverfahren könne dies nicht mehr beheben.

Infantino hatte bereits 2018 mit dem „Project Trophy“ versucht, FIFA-Rechte an Investoren zu verkaufen, was damals am Widerstand im FIFA Council scheiterte. Damals ging es um die Klub-WM und eine weltweite Nations League. Die aktuelle Situation wird von der AFC als Katalysator für eine Stärkung institutioneller Reformen gesehen. Echte Demokratie messe sich nicht allein an der Möglichkeit zur Abstimmung, sondern beginne mit transparenter Führung, rechtzeitiger Konsultation, fundierter Beratung und echter Beteiligung während des gesamten Entscheidungsprozesses.

Kevin Lamour: »Die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen«
Kevin Lamour: »Die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen«Foto: Joosep Martinson – UEFA / UEFA / Getty Images Credit: spiegel.de

Lise Klaveness, Präsidentin des norwegischen Verbandes und bekannte Kritikerin Infantinos, äußerte, dass Infantino sehr viel Vertrauen verloren habe. Die Krise im internationalen Fußball wird als beispiellos beschrieben, und eine erneute Zusammenarbeit zwischen der UEFA und Infantino scheint schwierig vorstellbar.

Die FIFA hatte zudem Details der Investorenpläne veröffentlicht und Schreiben an die Mitgliedsverbände verschickt. Ein Detail der Pläne besagt, dass Mitgliedsverbände, die für die Pläne stimmen, eine Sonderzahlung von 20 Millionen US-Dollar erhalten sollen.

Source: sportschau.de