Start / Sport / England und Wales ziehen Unterstützung für Infantino zurück

England und Wales ziehen Unterstützung für Infantino zurück

Fifa-Beben: England und Wales rücken von Infantino ab!

Der Widerstand gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst. Nach dem walisischen Fußballverband hat nun auch der englische Fußballverband (FA) seine Unterstützung für Infantinos Wiederwahl zurückgezogen. Die FA bereitet laut Berichten ein entsprechendes Schreiben vor, in dem sie ihre Entscheidung mitteilt.

Der walisische Fußballverband (FAW) hatte bereits zuvor öffentlich erklärt, Infantino die Unterstützung für seine angestrebte Wiederwahl im kommenden Jahr zu entziehen. In einem Schreiben des FAW heißt es, dass „jüngste Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen“ dazu geführt hätten, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren habe, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen. Der Verband bestätigte den Entzug seiner Unterstützung für Infantinos Kandidatur für die Amtszeit 2027 bis 2031 und teilte dies der FIFA schriftlich mit.

Die UEFA droht Infantino zudem mit rechtlichen Schritten. Dies geschieht nach dem Scheitern von Plänen, einen Teil der kommerziellen Rechte der FIFA, beispielsweise an der Weltmeisterschaft, zu verkaufen. Berichten zufolge hat die UEFA den Weltverbandspräsidenten aufgefordert, sämtliches Material im Zusammenhang mit diesem Vorhaben nicht zu vernichten. Entsprechende Schreiben wurden auch an Technologieinvestor Joshua Kushner geschickt, der eine Schlüsselrolle in dem Projekt einnehmen sollte.

Rechtliche Schritte und Investorenpläne

Die UEFA prüft aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei zuständigen Aufsichtsbehörden. Diese beziehen sich auf den von der FIFA vorgeschlagenen FFE-Plan und alle damit verbundenen Angelegenheiten. Der FFE-Plan sah vor, Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.

Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt. Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle übernehmen sollen. Die UEFA warnte die FIFA und die beteiligten Parteien davor, mit dem Plan für das FIFA Forward Enterprise-Programm zusammenhängendes Material zu vernichten. Es wurde explizit vor einer „Beweisvernichtung“ gewarnt.

Neben der FIFA wurden auch Joshua Kushner, Greg Maffei, JP Morgan und OpenEconomics in diesem Zusammenhang angeschrieben. Milliardär Kushner sollte über den „Thrive Eternal“-Fonds als voraussichtlicher Leiter der Investorengruppe für FFE agieren. Greg Maffei war früher Präsident und Geschäftsführer von Liberty Media, der Gruppe, der die Formel 1 gehört. JP Morgan und OpenEconomics waren als potenzielle Investoren im Spiel.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat sich mit seinen Investorenplänen verkalkuliert
Fifa-Präsident Gianni Infantino hat sich mit seinen Investorenplänen verkalkuliertFoto: Bradley Collyer / PA Wire / dpa Credit: spiegel.de

Wahlen und mögliche Herausforderer

Die UEFA hatte sich federführend gegen den Plan von Infantino gewehrt und mit einem Boykott der Weltmeisterschaften gedroht. Der Verband von Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) sowie der asiatische Verband (AFC) schlossen sich dem Protest an. Dies führte dazu, dass Infantino die Absage des Plans mitteilen ließ.

Im kommenden Jahr stehen Wahlen an. Am 18. März 2027 möchte sich Infantino in Rabat, Marokko, auf dem 77. FIFA-Kongress ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen. Vier Namen werden bereits als Infantino-Herausforderer gehandelt: UEFA-Boss Aleksander Ceferin (58), der asiatische Verbands-Boss Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (60), Victor Montagliani (60), Präsident des für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständigen Kontinentalverbands Concacaf, und Mattias Grafström (45), FIFA-Generalsekretär.

Es könnte auch schon früher zu einem Misstrauensvotum kommen, wenn 43 der 211 FIFA-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und die Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen Infantino erhalten. In diesem Fall wäre er bereits vor der regulären Wahl im März 2027 nicht mehr im Amt.

Die UEFA nannte im Zuge der Aufforderung neben Infantino selbst auch FIFA-Persönlichkeiten wie den langjährigen Arsenal-Trainer Arsène Wenger, der heute Leiter der FIFA-Abteilung für globale Fußballentwicklung ist, den Generalsekretär Mattias Grafström und Kevin Lamour, den Chief Operating Officer. Letzterer hatte in einer Mitteilung erklärt, der Präsident habe ihn und andere „getäuscht“.

Source: bild.de